Wandern in Hosen auf Rizinusbasis

Einen Schritt auf dem Weg ins post-fossile Zeitalter beschreitet VAUDE mit der neuen Trekking-Hose Skarvan Biobased Pants aus biobasiertem Polyamid 6.10. Das verwendete Garn besteht zu 62 % aus Rizinusöl und wurde gemeinsam mit dem Polymer-Spezialisten Evonik entwickelt. Neben den ökologischen Vorteilen eines nachwachsenden Rohstoffs besticht das neue Material durch funktionale Eigenschaften wie schnellere Trocknung und hohe Dehnfähigkeit. 

Die meisten Outdoor-Funktionstextilien bestehen heute vorrangig aus Erdöl-basierten Synthetik-Materialien wie Polyester und Polyamid. Nachhaltige Alternativen gingen bisher meist mit einem Verlust an Komfort oder Performance einher. Doch es ist an der Zeit, dieses Paradigma zu ändern. Outdoor-Spezialist VAUDE setzt den Weg “Vorwärts zur Natur” in der Produkt-Entwicklung um. Gemeinsam mit der Firma Evonik hat VAUDE ein biobasiertes Polyamid entwickelt, das größtenteils aus Rizinuspflanzen gewonnen wird. Der biobasierte Anteil von 62 % wird aus den Bohnen der Rizinuspflanze gewonnen. Dieses Biopolyamid (PA 6.10) unter dem Markennamen Vestamid Terra® bietet erstmals eine sowohl nachhaltigere als auch leistungsfähigere Alternative zu herkömmlichen Erdöl-basierten Synthetik-Materialien. Die Vorteile gegenüber konventionellem Polyamid-Garn in konkreten Zahlen:

  •  7 % leichter
  • 28 % höhere Garnfestigkeit
  • 50 % dehnbarer
  • 49 % geringere Feuchtigkeitsaufnahme

Für Pioniere der Nachhaltigkeit

Wer in einer „Skarvan Biobases Pant“ in die Natur aufbricht, darf mit Fug und Recht behaupten, dass seine Hose grün ist – und zwar nicht nur äußerlich. Foto: VAUDE / Attenberger

Die Skarvan Biobased Pants sind also ein echtes Novum in Sachen Material und Nachhaltigkeit: Das biobasierte Polyamid, was ihre Strapazierfähigkeit erhöht und den ökologischen Fußabdruck deutlich minimiert. Vor allem die geringe Feuchtigkeitsaufnahme des Garns macht sich bezahlt – etwa beim Streifzug durchs Gras im frischen Morgentau, bei kurzen Regenschauern, aber auch in kürzeren Trocknungszeiten nach dem Waschen.

Die Hose ist zudem sehr elastisch, dabei formbeständig und mit dem flexiblen Bund und leicht vorgeformten Knien bestens für bewegungfreudige Frischluftfans geeignet. Zur Ausstattung gehören zwei seitliche Eingrifftaschen und je eine Reißverschlusstasche am Bein und am Gesäß für wichtige Kleinigkeiten. Das VAUDE Green Shape-Label steht für ein umweltfreundliches, funktionelles Produkt aus nachhaltigen und bluesign®-zertifizierten Materialien. Im Webshop von Vaude kostet die Hose für Männer 160,- Euro, für Damen 130,-.

Erhältlich ist die Hose ab Frühjahr 2021 als Damen- und Herren-Modell. Bereits jetzt kann die Innovation beachtliche Erfolge vorweisen: Finalist beim Deutschen Nachhaltigkeitspreis 2021 in der Kategorie Design. Die Preisverleihung findet Anfang Dezember statt.

“Biobasierte Kunststoffe werden die Plastik-Entwicklung entscheidend verändern”

René Bethmann ist Innovations-Manager bei VAUDE und sieht enormes Potenzial des neuen Materials. “Biobasierte Kunststoffe sind in der Sport-Industrie relativ neu, besonders bei Textilien. Durch die innovative Textilfaser aus Biopolyamid bringen wir erstmals eine nachhaltige Alternative mit besseren Performance-Eigenschaften auf den Markt. Wir erhoffen uns dadurch, dass nachhaltige Produkte künftig auch den Leistungsstandard von Outdoorprodukten maßgeblich beeinflussen. Dadurch wird Aufmerksamkeit und Vertrauen geschaffen. Es ist wichtig zu verstehen, dass Nachhaltigkeit und Performance kein Widerspruch sind. Nachhaltigkeit ist notwendig und wird durch solche Produkte immer selbstverständlicher. Entsprechend verändertes Verbraucherverhalten wird künftig die gesamte Industrie zu nachhaltigeren Lösungen lenken.”

Ökologische Vorteile – Innovation aus der Bohne

Die Rizinuspflanze bedarf keiner Düngung oder künstlichen Bewässerung, übersteht Dürreperioden und wird üblicherweise in trockenen Gebieten angebaut, die sonst zu keiner anderen Form der Landwirtschaft bestimmt sind. Sie konkurriert also nicht mit Anbauflächen für die Nahrungsmittelproduktion.

Auch der CO2-Footprint von Biopolyamiden ist deutlich geringer als bei der Herstellung von konventionellem Polyamid. Nach Berechnungen von Evonik sogar nur die Hälfte, wenn man die Kohlenstoff-Speicherung durch den Anbau der Rizinuspflanze mit in Betracht zieht.

Umwelteffekte in Zahlen

Durch den Einsatz biobasierter Rohstoffe entlasten wir unsere Umwelt auf verschiedenen Ebenen: Erzeugung: Die Rizinuspflanzen werden überwiegend in Indien und China kultiviert. Für den Anbau ist keine extra Bewässerung nötig, es kommen keine Pestizide oder GMOs zum Einsatz. Als Pionierpflanze wächst Rizinus auf sehr kargen Böden und steht nicht in Konkurrenz mit anderen Formen der landwirtschaftlichen Produktion.

Biopolyamid PA 6.10 62 % biobasiert aus erneuerbarem Rohstoff Carbon footprint: 4.6 kg CO2eq* Herkömmliches Polyamid PA 6 fossil basiert Carbon footprint: 9 kg CO2eq (Quelle: Evonik Industries AG, internal calculations with PE Int. Databank (Oct 2010)

Bild ganz oben: Die Hose aus dem biobasierten PA 6.10 Vestamid Terra von Evonik ist um 50% dehnbarer als Kleidung aus konventionell erzeugtem PA. Foto: Vaude