Wie lassen sich Textilströme schließen? Welche Technologien, politischen Weichenstellungen und Designstrategien braucht es für eine nachhaltige Transformation der Branche? Die englischsprachige Publikation „Circular Textile Economy“ versammelt Beiträge aus Wissenschaft, Industrie und Politik, die systematisch der Frage nachgehen, wie die textile Wertschöpfungskette zirkulär gestaltet werden kann. Das Fachbuch Circular Textile Economy, herausgegeben im Hanser Fachverlag von Thomas Gries, Lukasz Debicki, Christian Schindler und Stefan Schlichter, behandelt die technische, politische und wirtschaftliche Transformation der Textilindustrie in Richtung Zirkularität. Die Texte stammen von verschiedenen Autorinnen und Autoren und decken eine große Bandbreite an Perspektiven ab. Die Beiträge sind auf Englisch verfasst und richten sich an ein internationales Fachpublikum aus Industrie, Forschung, Politik und Nachhaltigkeitsberatung.
Das erste Kapitel skizziert den Status quo der textilen Industrie im Umgang mit Ressourcen, Abfällen und Umweltwirkungen. Im Mittelpunkt stehen die zentralen Einschränkungen des Recyclings – etwa der Abbau von Polymerstrukturen, mechanische Verluste, funktionale Qualitätsprobleme und die ökonomische Unsicherheit vieler Verfahren. Ergänzt wird dies durch die Vorstellung innovativer Ansätze, die etwa auf bio-basierte Materialien, sortenreine Produktgestaltung oder neue Formen der Sortierung und Aufbereitung setzen.
Politik und Regulierung als Steuerungsrahmen

Das zweite Kapitel analysiert die politischen Rahmenbedingungen, die für die textile Kreislaufwirtschaft relevant sind. Es beleuchtet die Europäische Textilstrategie, Regelwerke wie die Ökodesign-Richtlinie, das Konzept des digitalen Produktpasses und die erweiterte Herstellerverantwortung. Dabei geht es auch um die Wechselwirkung zwischen Gesetzgebung, Verbänden wie EURATEX und wirtschaftlicher Umsetzung. Zusätzlich werden internationale Politiken berücksichtigt, insbesondere die strukturellen Fortschritte im Bereich der Kreislaufwirtschaft in China.
Praxisbeispiele und internationale Pilotprojekte
Im dritten Kapitel werden industrielle Anwendungen und Innovationsprojekte vorgestellt. Behandelt werden unter anderem Sortier- und Verwertungsprojekte in Indien sowie Ansätze zur stofflichen Rückgewinnung von Alttextilien. Ein zentrales Anliegen der Beiträge ist es, die Herausforderungen in der praktischen Umsetzung – insbesondere in Bezug auf Infrastruktur, Skalierbarkeit und Standardisierung – aufzuzeigen und konkrete Handlungsperspektiven zu entwickeln.
Recyclingverfahren im Vergleich
Kapitel vier widmet sich den technologischen Grundlagen des Recyclings. Es beschreibt mechanische Prozesse zur Fasergewinnung ebenso wie thermomechanische und chemische Ansätze. Letztere umfassen Depolymerisation, lösungsmittelgestützte Verfahren und biochemische Prozesse. Die Beiträge vergleichen die Verfahren in Bezug auf Materialqualität, Energieeffizienz, Skalierbarkeit und Umweltwirkungen. Fallbeispiele wie das RCO100-System von Säntis Textiles verdeutlichen die industrielle Relevanz einzelner Technologien.
Bewertungssysteme und digitale Infrastruktur
Das abschließende Kapitel beleuchtet die Frage, wie sich ökologische und zirkuläre Leistungen bewerten lassen. Es werden Methoden wie Lebenszyklusanalysen und Materialflussbilanzen vorgestellt sowie digitale Systeme zur Rückverfolgbarkeit und Datenintegration erläutert. Die Rolle von Produktpässen, Plattformen und Standardisierungen wird ebenfalls behandelt, stets mit Blick auf internationale Kompatibilität und sektorübergreifende Anschlussfähigkeit.
Adressaten und Anwendungsfelder
Die Publikation richtet sich an Entscheider in Textilunternehmen, insbesondere in den Bereichen Recycling, Design und Lieferkette, an politische Akteure auf EU- und nationaler Ebene sowie an Forschende und Studierende mit Fokus auf Nachhaltigkeit, Umwelttechnik oder zirkuläre Ökonomie. Auch für NGOs, Beratungsunternehmen und Projektentwickler bietet das Werk Orientierung und fachlich fundierte Einsichten.
Bild oben: Das Recycling von Textilien gewinnt aufgrund der steigenden Mengen stetig an Bedeutung. Abbildung: Circular Technology mit DALL-E

