Die STADLER Anlagenbau GmbH hat den Wiederaufbau der Sortierkontor-Nord-(SKN)-Sortieranlage für Leichtverpackungen in Bremen abgeschlossen. Nach zwei Brandereignissen im Jahr 2022, durch die Teile der Anlage stark beschädigt wurden, beauftragte SKN – ein Joint Venture der Nehlsen AG und der PreZero Recycling Deutschland GmbH – das Unternehmen mit der Neugestaltung und dem Wiederaufbau der betroffenen Bereiche. Dabei lagen die Schwerpunkte auf Sicherheitskonzepten, Automatisierung sowie einer stabilen und sicheren Betriebsführung.

Die ursprünglich 2021 von STADLER geplante und in Betrieb genommene Anlage zählt zu den modernsten Sortierwerken für Leichtverpackungen in Europa. Pro Jahr verarbeitet sie rund 120.000 Tonnen Material aus den Dualen Systemen Bremens und der umliegenden Bundesländer.

Mit der Anfang 2025 in Betrieb gegangenen, wiederaufgebauten Anlage erreicht SKN nicht nur die ursprüngliche Durchsatzleistung, sondern setzt mit erweitertem Brandschutz, höherer Prozessstabilität und der Vorbereitung auf die automatisierte Batterierückführung neue Standards.

Ein neu konzipierter Anlagenbereich für mehr Sicherheit, Kontinuität und Zukunftsfähigkeit

Der Wiederaufbau folgte keinem klassischen Neubauablauf: Rund ein Drittel der Maschinenfläche war zerstört, hinzu kamen, trotz umfangreicher Konservierungsmaßnahmen, weitere Standschäden während der komplexen Versicherungsabwicklung. STADLER integrierte moderne Sortiertechnik in die bestehende Struktur und erfüllte dabei deutlich höhere Sicherheitsanforderungen.

„Brände in Leichtverpackungsanlagen verursachen enorme Schäden, weil sich gefährliche Komponenten wie LithiumIonenBatterien oft im Materialstrom verstecken“, erklärt Tom Schmitt, Sales Manager bei STADLER. „Unser Ziel in Bremen war es, eine stabile Sortierung sicherzustellen und gleichzeitig den Brandschutz signifikant zu erhöhen. Dazu gehörten bauliche Änderungen, neue Anlagenlayouts und Technologien, die wir aus unseren jüngsten Projekten übernommen haben.“

Ein zentrales Element war die Verlagerung der ersten Klassifikationsschritte – Windsichtung, Magnetabscheidung und 2DFlexSortierung – in eine baulich getrennte Halle. Diese räumliche Trennung erhöht den Brandschutz, da kritische Prozessstufen isoliert werden. Ein zusätzlicher Löschwassertank mit 100 m³ Volumen sowie moderne Brandschutzsysteme mit Sprinklern und integrierten Löschleitungen, zum Beispiel an Siebtrommel, verstärken den Schutz zusätzlich.

Modernisierte Sortierprozesse mit mehr Automatisierung und weniger Handarbeit

Die wiederaufgebauten Anlagenteile verfügen über optimierte Materialflüsse, die Engpässe und Ineffizienzen des ursprünglichen Designs beseitigen. Drei Siebtrommel, zuvor in einem Bereich angeordnet und über lange Förderer verbunden, stehen nun gegenüber, was den Zugang erleichtert. Folien – eine mengenstarke Fraktion – werden nun vollautomatisch sortiert; eine dritte Sortierstufe lässt sich künftig unkompliziert integrieren. SKN erzeugt jetzt transparente LDPE und MischfolienFraktionen in höherer und konstanter Qualität bei weniger händischem Eingriff.

Die Anlage liefert weiterhin zwölf hochreine Monomaterialfraktionen, darunter PP, PET, PE, PS, MischPolyolefine, PapierPappeKarton, Aluminium sowie weitere Verbundstoffe. Gleichzeitig ermöglicht das neue Design die zukünftige Integration einer automatisierten Batterierückführung wie am PreZeroStandort Sollenau, die Batterien erkennen und ausbringen kann.

„Die Wiederherstellung der Sortierkapazität stand an erster Stelle“, erläutert Benjamin Kreie, Geschäftsführer der Sortierkontor Nord GmbH & Co.KG. „Gemeinsam mit STADLER sind wir jedoch weit über den reinen Wiederaufbau hinausgegangen. Die angepasste Sortiertechnik, zusätzliche überwachte Brandabschnitte und die Option zur Batterierückführung heben die Anlage auf ein neues Niveau – sicherer, robuster und besser für heutige und künftige Abfallströme gerüstet.“

„Für uns war es entscheidend, das höchstmögliche Brandschutzniveau technisch und organisatorisch zu erreichen“, ergänzt Andreas Thiel, Geschäftsführer der Sortierkontor Nord GmbH & Co.KG und Niederlassungsleiter bei PreZero Recycling Deutschland GmbH. „Die neue Anlagenstruktur und modernste Sortiertechnik ermöglichen einen zuverlässigeren Betrieb bei deutlich geringerem Risiko und erfüllen sowohl betriebliche als auch versicherungstechnische Anforderungen.“

Partnerschaft basierend auf Vertrauen, Erfahrung und gemeinsamer Verantwortung

Die langjährigen Beziehungen von STADLER zu Nehlsen und PreZero spielten eine wichtige Rolle. Bereits zuvor hatte STADLER Anlagen für Nehlsen gebaut und gemeinsam mit PreZero bedeutende Projekte wie Eitting und Sollenau realisiert.

Der Wiederaufbau verlangte eine enge Abstimmung zwischen den drei Partnern, externen Projektsteuerern und Versicherungsexperten. Vom Schadensereignis bis zur Inbetriebnahme vergingen fast drei Jahre, geprägt von Ausdauer, detaillierter Dokumentation und gemeinsamer Entscheidungsfindung.

„Während Planung und Montage war STADLER kommunikationsstark, offen und lösungs-orientiert, mit klarem Fokus auf den Zeitplan“, berichtet Andreas Thiel. „Die Inbetriebsetzung war wegen der Koordination der Subunternehmer anspruchsvoll und führte zu einigen Verzögerungen. Dennoch steht nun eine leistungsstarke Anlage, die ihre Sortiermengen zuverlässig erfüllt.“

Ein sichereres, widerstandsfähigeres Werk für die Zukunft

Mit Abschluss des SKNWiederaufbaus verfügt Bremen erneut über eine der fortschrittlichsten Leichtverpackungssortieranlagen Europas – nun robuster, sicherer und zukunftsorientierter. Das Projekt zeigt, wie moderne Recyclinginfrastruktur steigende Sicherheitsanforderungen erfüllt und gleichzeitig hohen Durchsatz sowie Produktqualität gewährleistet.

„Brandrisiken in Leichtverpackungsanlagen lassen sich nie vollständig ausschließen“, resümiert Wolfgang Köser, Vertriebsleiter Deutschland, Österreich und Schweiz bei STADLER. „Dank strukturell getrennter Klassifikationshallen, überwachter Brandabschnitte, Sprinkler und integrierter Löschanlagen arbeitet die Anlage jetzt mit deutlich geringerem Risiko und wesentlich höherer Resilienz. Dieses Projekt belegt, was erreicht werden kann, wenn langjährige Partner zusammenarbeiten, um nicht nur Verlorenes wiederherzustellen, sondern eine Anlage für heutige und zukünftige Herausforderungen zu schaffen.“

Titelfoto: Stadler

 

Von AG