Auf der IFAT Munich 2026 zeigen rund 50 Start-ups, wie KI, Sensorik und Biotechnologie neue Impulse für Recycling, Wasserwirtschaft und Kreislaufwirtschaft geben. Im Fokus stehen Lösungen zur Erkennung von Mikroplastik und Lithiumbatterien, zum Abbau von PFAS sowie zur Nutzung organischer Reststoffe als Rohstoffbasis für neue Materialien.

Die Startup Area in Halle C4 wird im Mai zu einem Schaufenster für neue Technologien in der Umweltwirtschaft. Rund 50 internationale Start-ups präsentieren dort Lösungen für zentrale Herausforderungen in Wasserwirtschaft, Recycling und Kreislaufwirtschaft. Der Schwerpunkt liegt auf Anwendungen, die Stoffströme besser sichtbar machen, Schadstoffe gezielter erfassen oder abbauen und Reststoffe als Ausgangspunkt neuer Wertschöpfung nutzen sollen.

Die Beispiele aus der Startup Area zeigen, wie stark sich Innovationsansätze in der Umwelttechnik derzeit an den Schnittstellen von Digitalisierung, Sensorik und Biotechnologie entwickeln. Viele der vorgestellten Lösungen zielen darauf, Ressourcen effizienter zu nutzen, Risiken in Verwertungsprozessen zu verringern und Stoffkreisläufe besser zu schließen.

Start-ups rücken Kreislaufwirtschaft in den Mittelpunkt

Besonders deutlich wird das bei Technologien, die Materialströme genauer analysieren oder bislang schwer nutzbare Reststoffe in neue Produkte überführen sollen. Damit greifen die jungen Unternehmen Themen auf, die für die Circular Economy zentral sind, von der besseren Erfassung problematischer Stoffe bis zur stofflichen Nutzung organischer Abfälle.

Die IFAT bringt diese Entwicklungen mit kommunalen Betrieben, Industrieunternehmen und Technologieanbietern zusammen. Für viele der beteiligten Start-ups ist die Messe damit nicht nur Präsentationsfläche, sondern auch Plattform für Pilotprojekte, Partnerschaften und die weitere Skalierung ihrer Verfahren.

Mikroplastik soll direkt an der Quelle sichtbar werden

Ein Beispiel ist das 2024 gegründete Start-up ZAITRUS aus Bayreuth. Das Unternehmen entwickelt ein sensorgestütztes Durchfluss-System, das Kunststoffpartikel in Flüssigkeiten in Echtzeit identifizieren soll, von Abwasser bis hin zu Getränken. Nach Angaben des Unternehmens kann die Lösung Stoffe direkt an der Quelle identifizieren, kategorisieren, charakterisieren und quantifizieren.

Damit richtet sich das System unter anderem an kommunale Kläranlagen und an die Lebensmittelindustrie. Dort soll es helfen, Mikroplastik frühzeitig zu erkennen und so Prävention und Qualitätssicherung zu unterstützen. Das Verfahren befindet sich derzeit in der Pilotphase. Auf der IFAT Munich sucht ZAITRUS nach eigenen Angaben Partner für weitere Pilotprojekte. Ab dem Jahreswechsel 2026/27 soll ein vollwertiges Monitoring as a Service angeboten werden.

Die Relevanz des Themas wächst auch mit strengeren regulatorischen Vorgaben, auf die die Pressemitteilung ausdrücklich verweist, etwa durch REACH oder die Kommunalabwasserrichtlinie. Der Druck, Mikroplastik zuverlässig zu erfassen und möglichst früh im Prozess zu vermeiden, nimmt damit zu.

Bakterienbasierte Verfahren zielen auf PFAS und andere Schadstoffe

Einen biotechnologischen Ansatz verfolgt CellX Biosolutions. Das 2024 an der ETH Zürich gegründete Start-up arbeitet mit bakterienbasierten Produkten, die nach Unternehmensangaben Mikroplastik sowie chemische Kontaminationen wie PFAS, Pestizide oder Arzneimittel abbauen können.

Dafür setzt das Unternehmen auf eine Technologie, mit der an belasteten Standorten seltene Bakterien eingefangen werden, die gezielt von bestimmten chemischen Schadstoffen angezogen werden. Im Labor werden diese isoliert und kultiviert. Daraus entstehen Bakterienkonsortien, die später direkt in industriellen Prozessen, etwa in Abwasserbehandlungsanlagen, eingesetzt werden sollen.

CellX Biosolutions sucht derzeit Partner für Labor- und Industriepilotprojekte. Genannt werden unter anderem Chemieunternehmen, PFAS-Anwender oder Eigentümer kontaminierter Standorte. Mit real belastetem Wasser und Boden soll die Technologie getestet und skaliert werden. Die vollständige Kommerzialisierung ist nach Angaben des Unternehmens für 2028 vorgesehen.

KI-gestützte Sensorik soll Batterien im Abfallstrom erkennen

Ein weiteres Problemfeld der Kreislaufwirtschaft ist der sichere Umgang mit Störstoffen in Sortier- und Recyclinganlagen. Das norwegische Start-up Litech AS entwickelt dafür eine KI-gestützte Sensortechnologie, die versteckte Lithiumbatterien und Druckgasbehälter im Abfallstrom erkennen soll.

Das kompakte und nachrüstbare System basiert auf Magnetischer Induktionsspektroskopie. Es nutzt elektromagnetische Felder mit mehreren Frequenzen, um metallische Objekte anhand ihrer Signalsignaturen zu identifizieren. In Verbindung mit künstlicher Intelligenz soll das Verfahren Lithiumbatterien und Druckgasbehälter von ungefährlichen Metallobjekten unterscheiden können, auch dann, wenn sich die Störstoffe in Plastiktüten befinden oder von anderen Abfällen verdeckt werden.

Nach Angaben des 2021 in Oslo gegründeten Unternehmens ist ein Sensor der ersten Generation bereits seit 2024 in einer kommunalen Abfallanlage der norwegischen Hauptstadt im Einsatz. Litech zeigt sich auf der IFAT sowohl offen für neue Pilotpartnerschaften als auch für kommerzielle Gespräche. Zu den Zielgruppen zählen Betreiber von Sortier- und Recyclinganlagen, kommunale Entsorgungsunternehmen sowie OEMs und Systemintegratoren.

Robotik und Echtzeitdaten für ein präziseres E-Schrott-Recycling

Auch Enodo Robotics aus Schweden setzt auf künstliche Intelligenz. Das Start-up kombiniert eine KI-Visionsplattform mit einem zum Patent angemeldeten robotischen Greifsystem, das unterschiedlich geformte und strukturierte Objekte flexibel erfassen kann.

Das System soll vor allem die bislang häufig manuelle Sortierung von Elektronikschrott und Nichteisenmetallen ablösen. Nach Angaben des Unternehmens handelt es sich dabei um einen Abfallstrom, der eine wertvolle Quelle kritischer Rohstoffe darstellt. Die KI- und Robotiklösung soll helfen, die Wertschöpfung aus diesen Materialien zu maximieren und zugleich den Personaleinsatz in oft gefährlichen Arbeitsumgebungen zu verringern.

Über die Sortierung hinaus soll die mit Millionen von Bildern aus realen Recyclingprozessen trainierte KI-Visionsplattform Materialflussanalysen ermöglichen. Recyclingunternehmen sollen dadurch in Echtzeit Einblicke in Zusammensetzung und Qualität ihrer Stoffströme erhalten. Das System ist nach Unternehmensangaben als Nachrüstlösung für bestehende Recyclinglinien kommerziell verfügbar und bereits bei Kunden unter Produktionsbedingungen im Einsatz.

Organische Reststoffe als Ausgangspunkt für neue Chemikalien

Noch stärker auf die stoffliche Nutzung von Restströmen zielt EveryCarbon aus Tübingen. Das Biotech-Start-up nutzt organische Abfälle, etwa aus Haushalten, der Landwirtschaft oder der Lebensmittelindustrie, zusammen mit Abwasser und genmodifizierten Bakterien, um 2,3-Butandiol herzustellen. Dabei handelt es sich um einen Ausgangsstoff für Hochleistungspolymere.

Das 2024 aus der Technischen Universität Hamburg ausgegründete Unternehmen betreibt nach eigenen Angaben bereits eine erste kleine Pilotanlage auf dem Gelände einer Kläranlage in der Nähe von Stuttgart. Dort wird der kontinuierliche Fermentationsprozess unter realen Bedingungen hochgefahren. Parallel validiert das Unternehmen sein erstes Produkt, einen Hartschaum für strukturell und thermisch anspruchsvolle Bauanwendungen.

Für die Kreislaufwirtschaft ist dieser Ansatz vor allem deshalb relevant, weil organische Reststoffe nicht nur entsorgt oder energetisch genutzt werden, sondern als Rohstoffbasis für neue Materialien dienen sollen. EveryCarbon beschreibt dies als Vision einer Zero-Waste-Produktion, bei der Abfallstoffe zum Ausgangspunkt neuer Materialien werden.

Als strategisch wichtig stuft das Unternehmen die IFAT deshalb ein, weil dort nach eigener Darstellung genau der Schnittpunkt sichtbar wird, an dem es arbeitet, also organischer Abfallkohlenstoff aus Haushalten, Industrie und Abwasser auf industrielle Materialwirtschaft trifft. Zielgruppen sind Bioenergiebetriebe, kommunale Ver- und Entsorger sowie Kläranlagen, außerdem Materialhersteller und Technologieunternehmen aus der Material- und Prozesstechnik.

Die IFAT vernetzt Start-ups mit Kommunen, Industrie und Anlagenbetreibern

Die Beispiele aus der Startup Area verdeutlichen, dass Innovation in der Umwelttechnologie zunehmend dort entsteht, wo Digitalisierung, Biotechnologie und Kreislaufwirtschaft zusammenkommen. Es geht dabei nicht nur um neue Verfahren zur Erfassung und Behandlung von Schadstoffen, sondern auch um neue Wege, Stoffströme wirtschaftlich nutzbar zu machen und Materialverluste zu verringern.

Damit wird die Startup Area auf der IFAT Munich 2026 zu einem Ort, an dem sich beobachten lässt, wie junge Unternehmen an Lösungen für eine stärker zirkuläre und ressourceneffiziente Wirtschaft arbeiten. Die Messe schafft dafür den Rahmen, indem sie Start-ups gezielt mit kommunalen Betrieben, Industrieunternehmen und Technologieanbietern vernetzt.

Bild oben: Knapp 50 Jungunternehmen präsentieren sich auf der Start Up Area der IFAT Munich. Foto: Messe München GmbH

Von fil