Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) fordert als einfache und schnell umzusetzende Klimaschutzmaßnahme ein Ende der ungewollten Werbepost. Durch ein gesetzliches „Opt-in-Verfahren“ für unadressierte Werbepost ließen sich nach neuesten Berechnungen des Umwelt- und Verbraucherschutzverbandes jährlich bis zu 535.000 Tonnen des Klimagases CO2 einsparen. Werbung dürfte dann nur noch in Briefkästen geworfen werden, wenn dies ausdrücklich erwünscht ist, etwa mit einem einfachen „Werbung – Ja bitte“-Schild. Die DUH kritisiert, dass die Deutsche Post sowie führende Supermarkt- und Baumarktketten diesen effektiven Ansatz für Abfallvermeidung und den Schutz des Klimas nicht unterstützen.

„Der neueste Bericht des Weltklimarates belegt, dass Klimaschutz jetzt und unverzüglich in allen Lebensbereichen umgesetzt werden muss. Allein durch einen Stopp der ungewollten Werbepost könnten pro Jahr mehr als eine halbe Million Tonnen CO2 eingespart werden. Ohne teure Technikinnovationen und zeitlichen Verzug könnte die Bundesregierung die Werbemüllflut einfach mit einem Opt-in-Verfahren stoppen. Dabei muss niemand auf etwas verzichten. Wer weiterhin Werbung will, bekommt sie. Der ungelesene und sinnlos produzierte Großteil aber wird eingespart“, sagt die Stellvertretende DUH-Bundesgeschäftsführerin Barbara Metz.

Pro Jahr werden mehr als 28 Milliarden gedruckte Werbeprospekte ungefragt in deutschen Briefkästen verteilt – mit verheerenden Folgen für Umwelt, Klima und Müllaufkommen. Zur Herstellung der Werbeprospekte werden pro Jahr 42 Milliarden Liter Wasser, 4,3 Milliarden Kilowattstunden Energie und 1,6 Millionen Tonnen Holz verbraucht. Viele der milliardenfach hergestellten Broschüren, die teils auch noch mit Plastik umhüllt sind, landen ungelesen im Müll. Dass ein Opt-in-System unnötige Werbebroschüren schlagartig verringern kann, zeigt etwa die niederländische Hauptstadt Amsterdam, die es schon 2018 eingeführt hat. Laut Stadtverwaltung werden dadurch pro Jahr 6.000 Tonnen Papier und zwischen 650 und 750 Fahrten der kommunalen Müllabfuhr eingespart.

Enttäuscht zeigt sich Metz vor allem von der Deutschen Post als einem der hauptverantwortlichen Akteure für unadressierte Werbepost. „Die Deutsche Post will nach eigenen Aussagen schon in wenigen Jahren klimaneutral sein. Ohne entscheidende Änderungen bei der Verteilung unadressierter Werbepost wird dies allerdings nicht zu machen sein. Nach unserer Berechnung ist die Deutsche Post für jährlich eine Milliarde ‚Einkaufaktuell‘-Werbebroschüren verantwortlich. Die Ankündigung des Unternehmens, zukünftig auf die Plastikhülle für die Werbebroschüren verzichten zu wollen, kommt viel zu spät und ändert nichts an der klimaschädlichen Herstellung und Verteilung mehrerer hundert Millionen ungelesener Werbepapiere. Wenn es die Post ernst meint mit Klimaschutz, dann muss sie ein Opt-in-Verfahren für unadressierte Werbepost unterstützen.“

Aber auch Supermärkte, Möbelhändler und Baumärkte müssen bei der Vermeidung unnötiger Werbebroschüren noch viel mehr tun. Das schwedische Möbelunternehmen Ikea und der Textilhändler Kik zeigen bereits, dass es auch ohne gedruckte Werbebroschüren geht. Ikea hat seinen Printkatalog eingestellt und der Textil-Discounter verzichtet komplett auf die Versendung von Werbebroschüren. Stattdessen können Werbeangebote online über Kunden- oder Prospektportale zur Verfügung gestellt oder per Mail versendet werden. Für Werbemails ist bereits die ausdrückliche Zustimmung der Verbraucherinnen und Verbraucher notwendig. So sollte es am Briefkasten auch sein.

„Wir erwarten, dass Handelsunternehmen eine politische Opt-in-Regelung für nicht adressierte Werbepost unterstützen und viel stärker als bislang Onlinemedien nutzen, um Verbraucherinnen und Verbraucher zielgerichtet und auf deren eigenen Wunsch hin zu informieren. Umweltschutzmaßnahmen dürfen sich nicht nur auf die Bereiche Verkehr oder Verpackungen beschränken, sondern müssen auch bei der Bereitstellung von Angebotsinformationen umgesetzt werden“, fordert der DUH-Leiter für Kreislaufwirtschaft Thomas Fischer.

Bild oben: Über 500.000 Tonnen CO2 verursachen Postwurfsendungen in Deutschland jährlich. Foto: Pixabay/manfredrichter

Von fil