Maßnahmen für eine erfolgreiche Verkehrswende

Emissionen sparen, Platz schaffen, mobil sein: Das Difu untersuchte exemplarisch anhand der Fallstudienstädte München und Hamburg, welche innovativen Maßnahmen dazu beitragen, dass die notwendige Verkehrswende ein Erfolg wird.

Der nach wie vor zunehmende Verkehr stellt Städte vor große Herausforderungen: Wie können Menschen vor Umweltbelastungen geschützt werden und trotzdem mobil sein? Und wie kann vermieden werden, dass kostbare innerstädtische Flächen durch Dauerparker und Lieferverkehr unverhältnismäßig hoch belastet werden? Für eine funktionierende Stadt sind Lieferverkehr und die Mobilität der Menschen schließlich wichtig.

Diesen und weiteren Fragen ging das Deutsche Institut für Urbanistik (Difu) im Auftrag des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) gemeinsam mit weiteren Partnern im Forschungsprojekt „City2Share“ ganz praktisch auf den Grund. Die Modellstädte München und Hamburg machten mit und testeten innovative Wege in eine mobile und zugleich umweltverträgliche Zukunft.

Weniger Verkehr erhöht die Lebensqualität

Car- und Bikesharing, Mobilitätsstationen, digitale Buchungs- und Informationssysteme aber auch stadtverträgliche Lastenradlogistik sind Maßnahmen, die den Verkehr entlasten können und Verbesserungen für Stadtraum und Klimaschutz versprechen. Wie die dafür notwendige Verkehrswende im Personen- und Wirtschaftsverkehr vorangebracht werden kann und welche Rolle dabei innovative Maßnahmen spielen, zeigt das Forschungsteam von „City2Share“ in einer anschaulich aufbereiteten Publikation. Sie zeigt, dass eine Reduzierung des Verkehrs nicht nur die Lebensqualität steigern kann, sie kann sogar ein Mehr an Mobilitätsoptionen eröffnen. In den beiden Modellstädten wurden mehrere Maßnahmen parallel erprobt, beispielsweise der Einsatz wohnungsnaher Mobilitätsstationen mit geteilten und elektrischen Mobilitätsangeboten (Bike- und Carsharing), ein umweltverträglicher Lieferverkehr auf der Basis von Mikro-Depots und Lastenrädern sowie die Rückgewinnung und Aufwertung des kostbaren öffentlichen Raums, kombiniert mit einer umfassenden Bürgerbeteiligung. Das Forschungsteam nahm in seiner Studie drei wichtige Zielbereiche besonders in den Blick:

Weniger Dieselfahrzeuge auf der „Letzten Meile“

Ohne Wirtschaftsverkehr in all seinen Facetten ist eine funktionierende Stadt nicht denkbar. In den letzten Jahren wuchs insbesondere die Nachfrage in der Paketbranche sehr stark an, Treiber dafür ist der Online-Handel. Der Trend hält weiter an. Die Folge sind eine stetig wachsende Zahl an Lieferfahrten von den Paket-Depots am Stadtrand in die Innenstädte und zurück. Dass es auch anders gehen kann, zeigt das erfolgreiche UPS-Lieferkonzept mit Lastenrädern und Mikro-Depots. Es zeigt, wie CO2-Emissionen und Stickoxide gesenkt werden können. In der Projektlaufzeit wurden in München zwanzig herkömmliche Diesel-Zustellfahrzeuge ersetzt und so 108 Tonnen CO2 eingespart!

Mobilitätsstationen und vielfältige Verkehrsangebote als Alternative zur „Mobilitätsreserve“ schaffen

Häufig wird das eigene Auto nur als „Mobilitätsreserve“ für bestimmte Gelegenheiten wie größere Einkäufe, Besuche von Verwandten am Stadtrand oder Ausflüge ins Umland genutzt. Damit Carsharing-Angebote den privaten Pkw-Besitz ersetzen können, sind die zuverlässige Verfügbarkeit der Fahrzeuge in Wohngebieten und der richtige Fahrzeugmix als Ergänzung zum ÖPNV eine wichtige Voraussetzung. Mobilitätsstationen bündeln verschiedene Angebote und machen sie im öffentlichen Raum sichtbar. Ein Beispiel hierfür sind die “switchh Punkte” in Hamburg.

Weniger parkende Autos – mehr Lebensqualität im öffentlichen Raum

Mobilitätsstationen brauchen Platz im öffentlichen Raum. In der Regel geht dies zu Lasten von Kfz-Stellflächen. Das Forschungsteam des City2Share-Projekts verdeutlichte, dass weniger Parkplätze kein individueller Verlust sein müssen. Im Gegenzug kann Lebens- und Aufenthaltsqualität für Alle im Wohnviertel gewonnen werden, was wiederum ein Gewinn ist. Der in diesem Rahmen temporär umgenutzte Münchner Zenettiplatz hat viel Zustimmung erhalten und die Verkehrswende im positiven Sinn erlebbar gemacht.

Die kostenfrei erhältliche Abschlusspublikation fasst die zentralen Studienergebnisse anschaulich zusammen. Anhand vieler dokumentierter Beispiele erhalten Kommunalpolitik und -verwaltung anderer Kommunen Inspiration und Argumentationshilfen für passende Maßnahmen vor Ort. Lesen Sie hier die gesamte Publikation.

Hintergrund

Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) förderte das Forschungsprojekt im Rahmen des Programms „Erneuerbar Mobil“. An der Begleitforschung und Umsetzung beteiligte sich ein Konsortium aus Industrie, Verwaltungen und Forschungseinrichtungen unter der Leitung von BMW. Konsortialpartner waren neben BMW die Landeshauptstadt München, die Stadtwerke München, die Hamburger Hochbahn AG, Siemens, UPS, ShareNow (ehemals DriveNow), die Universität der Bundeswehr, die TU Dresden und das Deutsche Institut für Urbanistik (Difu).

Kurzinfo: Deutsches Institut für Urbanistik

Das Deutsche Institut für Urbanistik (Difu) ist als größtes Stadtforschungsinstitut im deutschsprachigen Raum die Forschungs-, Fortbildungs- und Informationseinrichtung für Städte, Kommunalverbände und Planungsgemeinschaften. Ob Stadt- und Regionalentwicklung, kommunale Wirtschaft, Städtebau, soziale Themen, Umwelt, Verkehr, Kultur, Recht, Verwaltungsthemen oder Kommunalfinanzen: Das 1973 gegründete unabhängige Berliner Institut – mit einem weiteren Standort in Köln (Bereich Umwelt) – bearbeitet ein umfangreiches Themenspektrum und beschäftigt sich auf wissenschaftlicher Ebene praxisnah mit allen Aufgaben, die Kommunen heute und in Zukunft zu bewältigen haben. Der Verein für Kommunalwissenschaften e.V. ist alleiniger Gesellschafter des in der Form einer gemeinnützigen GmbH geführten Forschungsinstituts.