Reju hat Lacq in den Pyrénées-Atlantiques als Standort für ein neues „Regenerationszentrum“ in industrieller Größe ausgewählt. Die Anlage soll auf der Induslacq-Industrieplattform entstehen, die TotalEnergies gehört. Nach Angaben des Unternehmens handelt es sich um den ersten Reju-Standort dieser Art in Frankreich.

Die geplante Anlage soll Post-Consumer-Textilien aus nationalen Abfallströmen als Rohstoff nutzen. Reju will dafür eine firmeneigene Depolymerisationstechnologie einsetzen, um die Textilien in rBHET umzuwandeln, ein Zwischenprodukt, das anschließend zu „Reju-PET“ repolymerisiert werden soll. Reju verbindet die Ankündigung mit globalen Abfallmengen und niedrigen Recyclingquoten. Das Unternehmen beziffert die jährlich entsorgten Textilien auf 121 Millionen Tonnen und gibt an, dass nur 1 Prozent zu neuen Kleidungsstücken recycelt werde.

Ob das Vorhaben umgesetzt wird, ist noch offen. Laut Reju steht das Projekt unter dem Vorbehalt der finalen Investitionsentscheidung durch den Vorstand der Muttergesellschaft Technip Energies. Als mögliche Beschäftigungseffekte nennt das Unternehmen 80 direkte sowie mehr als 300 indirekte Arbeitsplätze.

Textilabfälle zu Ressourcen

„Dieses französische Regenerationszentrum baut auf unserer Strategie auf, ein zirkuläres Post-Verbraucher-Textil-zu-Textil-Modell zu industrialisieren“, sagte Patrik Frisk, CEO von Reju. „Indem wir die ehrgeizige französische Agenda für die Kreislaufwirtschaft nutzen und unsere Technologie auf neue Märkte ausweiten, stärken wir unsere Mission, Textilabfälle in wertvolle, kreislauffähige Ressourcen umzuwandeln.“

Auch die Standortregion bewertet die Ansiedlung positiv. „Chemparc, eine vom Staat, den Gebietskörperschaften (Region Nouvelle-Aquitaine, Gemeinde Lacq-Orthez) und der Industrie getragene Entwicklungsagentur, freut sich, die Auswahl von Lacq als Standort für das erste Regenerationszentrum von Reju in Frankreich bekannt zu geben. Diese Entscheidung unterstreicht die Attraktivität unseres Industriebeckens und verdeutlicht die Rolle unserer öffentlichen Interessengruppe als Katalysator für diese Attraktivität. Im Einklang mit unserer Industriestrategie stellt diese Entscheidung einen neuen Schritt in der Entwicklung einer kohlenstoffarmen Kreislaufwirtschaft dar. CHEMPARC ist entschlossen, den Erfolg dieses Industrieprojekts im Lacq-Becken weiterhin mit Fleiß und Energie zu unterstützen“, sagte Audrey Le-Bars, Vorstandsvorsitzende von Chemparc.

Reihe weiterer Projekte

Reju ordnet den Standort Lacq in eine Reihe weiterer Projekte ein. In der Mitteilung nennt das Unternehmen das „Regeneration Hub Zero“ in Frankfurt sowie die angekündigte Standortwahl im Chemelot-Industriepark in Sittard-Geleen und einen US-Standort im Eastman Business Park in Rochester, New York.

Bezugnehmend auf die bisherigen Reju-Schritte hatte Circular Technology im Januar 2025 über das Frankfurter „Regeneration Hub Zero“ berichtet, das im Oktober 2024 eröffnet worden sei und eine Nennkapazität von 1.000 Tonnen pro Jahr habe. Im Mai 2025 beschrieb Circular Technology den geplanten „Regeneration Hub One“ in Chemelot mit einer Zielgröße von rund 50.000 Tonnen rBHET pro Jahr, auch dort sei die Umsetzung an die finale Investitionsentscheidung der Technip-Energies-Gremien gekoppelt.

Für den Aufbau eines Stoffstroms verweist Circular Technology zudem auf Kooperationen im Vorfeld der Anlage. So berichtete das Magazin über eine Partnerschaft zwischen Reju und der französischen Genossenschaft Cibutex, in deren Rahmen Reju Sekundärrohstoffe aus Alttextilien für das Recycling erhalten soll.

Bild oben: Luftaufnahme des gewählten Standorts von Reju im französichen Lacq. Abbildung: Reju

Von fil