Relativ geringe Kapazitäten für Müllverbrennung in Deutschland

Dänemark will in den nächsten 10 Jahren rund ein Drittel seiner Kapazitäten für die Verbrennung von Siedlungs- und Gewerbeabfällen stilllegen. Der Vergleich beider Länder zeigt: Auch danach noch würde in Deutschland im Vergleich zum Nachbarn pro Kopf weniger Müll verbrannt.

„Im Durchschnitt kommen in Deutschland auf jeden Einwohner Verbrennungskapazitäten für Siedlungs- und Gewerbeabfälle von rund 320 Kilogramm im Jahr. Das ist nur etwas mehr als die Hälfte von dem, was in Dänemark verbrannt wird. Dort liegen die Pro-Kopf-Kapazitäten aktuell bei über 600 Kilogramm jährlich“, erklärt ITAD-Geschäftsführer Carsten Spohn.

So weist Deutschland bei 83,2 Mio Einwohnern eine Gesamtverbrennungskapazität für Siedlungs- und ähnliche Gewerbeabfälle von knapp 27 Mio t pro Jahr auf, das Restabfallaufkommen in Deutschland aus privaten Haushalten beträgt hierbei unter 190 kg pro Einwohner und Jahr. Dem gegenüber liegt die Verbrennungskapazität in Dänemark bei rund 3,6 Mio t für 5,8 Mio Einwohnern.

Auch im Bereich des kommunalen Abfallaufkommens unterscheiden sich die beiden EU-Mitglieder deutlich. Nach Angaben von Eurostat, der Europäischen Umweltagentur und der Europäischen Kommission, verursacht in Deutschland jeder Einwohner jährlich 615 Kilogramm Abfall, in Dänemark sind es 766 Kilogramm. Auch bei der Recyclingquote hat Deutschland die Nase mit 68% gegenüber 46% in Dänemark deutlich vorn und erfüllt bereits heute als einer der wenigen EU-Mitgliedstaaten die ambitionierten EU-Vorgaben in Bezug auf Recyclingquoten und Deponieausstieg.

„Der Vergleich zeigt, wie gut die Kreislaufwirtschaft in Deutschland schon funktioniert“, resümiert Spohn. „Natürlich gibt es auch hier noch Optimierungspotenziale, insbesondere bei den Themen Abfallvermeidung und intelligentes Produktdesign.“

Für den Klimaschutz werde die thermische Abfallbehandlung in Europa aktuell immer wichtiger. „Deponien werden künftig in ganz Europa für nicht-mineralische Abfälle geschlossen. Damit kommt der thermischen Abfallbehandlung auch dort die Aufgabe zu, den Deponieausstieg und somit die Vermeidung klimarelevanter Deponiegasemissionen abzusichern und parallel ein möglichst hochwertiges Recycling und eine saubere Kreislaufwirtschaft zu garantieren“, so Spohn.

Hintergrund:

Welche Bedeutung die thermische Abfallbehandlung für Klimaschutz und Kreislaufwirtschaft in Deutschland haben kann, zeigt die Prognos-Studie „Perspektiven der thermischen Abfallbehandlung – Roadmap 2040“, die ITAD im August 2020 veröffentlicht hat. Kernergebnisse dieser Studie sind:

  • Durch die Auskopplung von Strom-, Fern- und Prozesswärme aus den Abfallbehandlungsanlagen können fossile Energieträger ersetzt und dadurch beim aktuellem Energiemix die CO2-Emissionen gesenkt werden.
  • 2019 haben allein die Mitgliedsanlagen der ITAD rund 10 TWh Strom produziert und 22 TWh Wärme und Prozess­dampf externen Abnehmern zur Verfü­gung gestellt.
  • In Zukunft steht aber zum Beispiel auch die Produktion von Wasserstoff als weiteres, energiespezifisches Thema auf der Agenda der Anlagenbetreiber.
  • Weitere CO2-Emissionen werden durch die Metallverwertung aus den Verbrennungsrückständen sowie durch Nutzung mineralischer Ersatzbaustoffe vermieden.

Zur weiteren Steigerung der Ressourceneffizienz können zukünftig aber auch Kohlenstoff aus dem Abgas von Thermischen Abfallbehandlungsanlagen im Rahmen von Carbon Capture und Utilization (CCU)-Projekten abgeschieden und in die Stoffkreisläufe zurückgeführt werden – etwa als Methanol.

Somit bleiben die Thermischen Abfallbehandlungsanlagen aus Sicht des ITAD auch zukünftig und unter sich ändernden Randbedingungen ein unverzichtbarer Baustein der Kreislaufwirtschaft.