Kurze Wege, verfügbare Ansprechpartner, wenig Ballast. Die KPA in Ulm setzt auf das Prinzip Arbeitsmesse und trifft damit einen Nerv der Kunststoffbranche. Standardisierte Stände, All-in-Organisation und eine konsequent regionale Ausrichtung sollen Effizienz erhöhen und zugleich Materialeinsatz, Abfall und Aufwand senken.

Der Messekalender bleibt dicht, gleichzeitig wächst der Druck, jede Reise und jeden Standauftritt zu begründen. Unternehmen investieren weiter in Messen, wählen ihre Termine aber selektiver. Der Ausstellungs- und Messe-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft (AUMA) beschreibt einen Trend zu stärkerer Fokussierung, vor allem dort, wo Firmen viele Beteiligungen parallel managen müssen. In diese Lücke stoßen kompakte Formate, die weniger Bühne sein wollen und stärker Werkzeug, für Einkauf, Entwicklung und konkrete Projektanbahnung.
Ein Beispiel ist die KPA in Ulm. Die Fachmesse positioniert sich als regionale Plattform für Design, Entwicklung und Beschaffung von Kunststoffprodukten. 2026 kamen laut Veranstalter easyfairs 318 Aussteller und 3.055 Fachbesucher. Das Wachstum ist sichtbar, die eigentliche Geschichte liegt jedoch im Konzept, kurze Wege, klare Zielgruppen, ein hoher Grad an Standardisierung.
Kompakt, planbar, mittelstandsfreundlich
Babette Bell, Messeleitung bei Easyfairs, beschreibt die KPA als Format, das bewusst auf Arbeitssituationen ausgerichtet ist. „Die KPA ist eine Arbeitsmesse. Hier geht’s wirklich um das Fachgespräch“, sagt sie. Es gehe um technischen Austausch und um Projekte, nicht um große Imageflächen.
Diese Ausrichtung passt zu einer Ausstellerstruktur, in der viele mittelständische Unternehmen vertreten sind, die Messepräsenz mit kleinen Teams organisieren. Dazu kommt das All-in-Modell. Easyfairs stellt einen vollständig ausgestatteten Stand, zentral organisiertes Catering und einen Ansprechpartner. „Dieses All-in-Konzept … entlastet diese vielen kleinen Mittelständler sehr in der Organisation“, sagt Bell. Der Effekt ist doppelt, weniger Abstimmungsaufwand, weniger Vorbereitungsstress, zugleich weniger Sonderbauten und weniger Einzellösungen, die Material- und Logistikaufwand erhöhen.
Auch die Standlogik zielt auf Vergleichbarkeit statt Hierarchie. Große Namen stehen nicht automatisch auf überdimensionierten Flächen, kleinere Unternehmen verlieren weniger Sichtbarkeit. „Es ist egal, ob eine Firma groß ist … die großen Flaggschiffe … sind hier in ähnlicher Standgröße wie die kleinen“, sagt Bell. Für Kunststoffverarbeiter ist das relevant, weil sie auf Leitmessen oft nicht im Zentrum der Wahrnehmung stehen.
Effizienz als Nutzenversprechen
Der Effizienzanspruch lässt sich zumindest indirekt über die Messeauswertung abbilden. Die Besucherumfrage zur KPA Ulm 2025 weist einen Weiterempfehlungswert von 9,0 auf einer Skala von 1 bis 10 aus, 90 Prozent der Befragten geben an, zufrieden oder sehr zufrieden zu sein. In den Besucherstatements tauchen jene Begriffe auf, mit denen kompakte Arbeitsmessen werben, kurze Wege, unkomplizierte Organisation, wenig Inszenierung.
Bell beschreibt den Unterschied zu Großmessen vor allem über Zeit und Gesprächsqualität. Der Besuch sei „extrem effizient“, auch weil die Wege kurz seien und technische Ansprechpartner vor Ort verfügbar bleiben. Damit richtet sich das Format an Funktionen, die tatsächlich Projekte anstoßen und Budgets verantworten, etwa Konstruktion und Entwicklung, Einkauf sowie Unternehmensleitung.
Nachhaltigkeit beginnt beim Standbau und endet nicht beim Catering

Für ein Circular-Tech-Umfeld wird das Format interessant, wenn Standardisierung nicht nur Effizienz verspricht, sondern Ressourceneinsatz tatsächlich verändert. Easyfairs verankert das Thema öffentlich in seiner ESG-Strategie. Bell verweist auf konkrete Schritte beim Materialeinsatz. „Wir sind im Moment an einem Stand, wo wir im Grunde das Standbaumaterial komplett wiederverwenden“, sagt sie. Auch beim Teppich haben wir den Materialeinsatz deutlich reduziert – und das eingesetzte Material wird recycelt. Weitere Schritte, etwa bei Bedruckungen seien in Arbeit.
Zur Nachhaltigkeitsbilanz von Veranstaltungen gehört neben dem Standbau auch das Catering. Abfallmengen und Lebensmittelüberschüsse gelten in der Branche als ein zentraler Problempunkt. Das All-in-Prinzip kann hier strukturell wirken, weil es nicht viele parallele Einzelbuffets erzeugt, sondern eine zentrale Planung ermöglicht. Ob daraus belastbare Einsparungen werden, entscheidet sich am Ende an Kennzahlen, nicht an Absichtserklärungen.
Regionalität als Standortstrategie und Prüfstein für Wachstum
Ulm spielt in diesem Modell die Rolle eines regionalen Hubs. Die Messeanalyse verortet die Veranstaltung zwischen den Metropolregionen Stuttgart, Nürnberg und München und arbeitet mit Entfernungen bis etwa 200 Kilometer. Gleichzeitig erweitert Easyfairs das KPA-Konzept ab 2026 auf drei Standorte, Ulm, Bad Salzuflen und Leipzig, um regionale Cluster abzudecken. Aus Nachhaltigkeitssicht ist das plausibel, kürzere Anreisen reduzieren Emissionen, sofern die Regionalisierung tatsächlich Fernmobilität ersetzt und nicht zusätzliche Termine erzeugt.
Für die DACH-Region nennt easyfairs zudem weitere konkrete Maßnahmen, die die Nachhaltigkeitsbemühungen des Unternehmens unterstreichen. So wurden im ersten Halbjahr 2025 über einen Dienstleister 21 Tonnen Teppichmaterial recycelt, weitere Zertifikate im Bereich Textilrecycling sind in Arbeit. Hinzu kommen der im Vergleich zum individuellen Standbau ressourcenschonendere Systemstandbau, mit Logistikpartner DSV gebündelte Transporte zur Reduzierung von Emissionen sowie Maßnahmen im Cateringbereich, Spendenaktionen und weitere Initiativen vor Ort.
Die Richtung ist klar. Kompakte Messen wollen einen „Return on Time“ liefern und dabei material- und logistikärmer werden. Gleichzeitig steigt der Druck, Nachhaltigkeit nicht nur zu behaupten, sondern messbar zu machen. Für Formate wie die KPA wird damit entscheidend, ob Wiederverwendung, Abfallvermeidung und Reisewege künftig sauber quantifiziert werden. Dann wird aus der Erzählung über die Arbeitsmesse ein belastbares Argument, für Aussteller, für Besucher und für eine Branche, die Effizienz und ESG zunehmend zusammen denken muss.
Bild ganz oben: Im Gespräch mit Babette Bell auf der KPA 26 in Ulm. Foto: Circular Technology
