MAN Truck & Bus, Mercedes-Benz, TER Performance Polymers, Fraunhofer LBF und ENGEL stellten in Aschaffenburg konkrete Ansätze für Materialqualifizierung, Closed-Loop-Konzepte und eine robuste Serienverarbeitung vor.

Beim 12. Polymer Forum am 17. Juni in Aschaffenburg konzentrierten sich zahlreiche Fachvorträge auf die technische Absicherung von Recyclingkunststoffen. Diskutiert wurden vor über 500 Gästen neue Rohstoffquellen, die Anpassung von Compoundrezepturen, analytische Freigabeverfahren und die Regelung schwankender Materialeigenschaften im Spritzgießprozess.

MAN: Serienfreigabe über Material, Lackierung und Prozess

Über 500 Personen waren nach Aschaffenburg gekommen. Foto: Circular Technology

Hartmut Häberle von Traton R&D Germany beschrieb den Entwicklungsweg einer lackierten Windleitblende für den MAN TG3. Das PC/ABS-Compound enthält 65 Prozent PIR; laut Präsentation wird der PC-Anteil vollständig aus Rezyklat gedeckt. Ein erster Serienanlauf wurde 2023 wegen unzureichender Qualitäts- und Prozessstabilität abgebrochen.

Für den zweiten Anlauf prüften MAN Truck & Bus, TER Plastics Polymer Group und der Verarbeiter Krumpholz Kunststofftechnik ein alternatives Rezyklat aus drei Chargen. Bei der Abmusterung unter Serieneinstellungen traten Silberschlieren, Einschlüsse und Porigkeit auf. Es folgten Anpassungen entlang der Prozesskette sowie ein Lackiergroßversuch mit mindestens 500 Windleitblenden. 252 Fahrzeuge wurden anschließend im Audit bewertet; Beanstandungen wurden dabei nicht festgestellt. Ende 2025 dokumentierte MAN ein Bauteil aus dem laufenden Serienprozess mit der geforderten Oberflächenqualität.

TER Performance Polymers erschließt PVB aus Verbundglas

Die Veranstaltung war sehr gut besucht und bot Gelgenheit zum Fachsimpeln und Netzwerken. Foto: Circular Technology

TER Performance Polymers stellte PVB-Folien aus ausgedienten Verbundsicherheitsscheiben als neue PCR-Quelle aus dem Fahrzeugkreislauf vor. Das Material wird im glasfaserverstärkten Compound TEREZ PPH CLA 532 H204 G30 eingesetzt. Die Beimischung des recycelten PVB verändert dabei mehrere verarbeitungstechnisch relevante Eigenschaften. TER ermittelte eine Oberflächenspannung von 38 N/m gegenüber 30 N/m beim verglichenen Standard-PPH-GF30. Damit ist eine Lackierung ohne Primer vorgesehen. Bei der Lasertransparenz lagen beide Materialien über Wanddicken von einem bis drei Millimetern eng beieinander. Auch nach einer Wasser-Glykol-Lagerung bei 108 Grad Celsius über 1.008 Stunden nach DBL 5406.03 wurde kein negativer Einfluss des PVB-Anteils auf die Hydrolysebeständigkeit festgestellt.

Mercedes-Benz prüft Closed-Loop-Ansätze für PA6

Mercedes-Benz nutzt Polyamid 6 als Modellmaterial für geschlossene Kunststoffkreisläufe im Fahrzeugbau. PA6 ist für den Hersteller relevant, weil es in mengenmäßig bedeutenden und technisch anspruchsvollen Anwendungen eingesetzt wird und in Altfahrzeugen grundsätzlich identifiziert und zurückgeführt werden kann.

Die vorgestellte Pilotstrategie umfasst den Vergleich verschiedener Feedstocks sowie die Entwicklung von Nachweisverfahren für Post-Consumer- und Closed-Loop-Materialien. Untersucht werden außerdem Skalierbarkeit, Kosten und die Integration der Rücklaufströme in bestehende Lieferketten. Vor einer Serienfreigabe müssen Materialleistung, Prozessstabilität und Bauteilsicherheit mit den jeweiligen Spezifikationen abgeglichen werden.

Fraunhofer LBF kombiniert Restabilisierung und Analytik

Das Fraunhofer LBF präsentierte einen modularen Additivbaukasten, der auf Materialherkunft, Vorschädigung und spätere Anwendung abgestimmt wird. Er umfasst unter anderem Antioxidantien, Metalldeaktivatoren, Hydrolysestabilisatoren, Kettenverlängerer und Haftvermittler.

Bei einem glasfaserverstärkten PA6-Rezyklat aus Altfahrzeugen kombinierte das Institut eine AO-Stabilisierung mit Hydrolyseschutz, einem GF-Kupplungsagens sowie einem Repair-System aus Diepoxid und Katalysator. Nach Angaben des LBF wurde die Viskositätszahl damit auf das Niveau der Neuware zurückgeführt; Zugfestigkeit und Schlagzähigkeit erfüllten die angesetzten OEM-Spezifikationen. Parallel gehört die Prüfung auf GADSL-relevante Stoffe zum Qualifizierungsprozess. Je nach Herkunft werden unter anderem Halogene, Flammschutzmittel, Schwermetalle, Phthalate und SVHC analytisch untersucht.

ENGEL regelt Schwankungen schussweise nach

ENGEL setzte bei der Verarbeitung der qualifizierten Materialien an. Das Assistenzsystem iQ weight control zeichnet während des Einspritzens den Druckverlauf über der Schneckenposition auf und vergleicht ihn mit einer Referenzkurve. Daraus werden Veränderungen der Viskosität und des Einspritzvolumens abgeleitet. Bei Abweichungen wird das Einspritzvolumen automatisch von Schuss zu Schuss korrigiert. Das System adressiert damit Schwankungen durch wechselnde Materialzusammensetzungen, thermische Vorschädigungen, Feuchte oder inhomogene Chargen. Es ersetzt die Werkstoffqualifizierung nicht, erweitert sie jedoch um eine prozessintegrierte Regelung.

Die Beiträge aus Aschaffenburg verlagerten die Diskussion damit auf die für die Serie entscheidenden Kriterien: Chargenrobustheit, Langzeitverhalten, Lackier- und Fügeeignung, Schadstoffhistorie, Herkunftsnachweis und Prozessregelung. Erst ihr Zusammenspiel ermöglicht den Einsatz von Rezyklaten in spezifikationsgebundenen Bauteilen.

Bild oben: Der COO von Ter-Plastic, Dr. Wolf J. Köhler bei sienem Vortrag in Aschaffenburg. Foto: Circular Technology

Von fil

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