Rund 200 Millionen ungenutzte Handys, Smartphones und Tablets könnten in deutschen Haushalten lagern. Ein neu aufgestelltes Rücknahmesystem soll die Geräte in Wiederverwendung und Recycling bringen. Eine zertifizierte Datenlöschung soll dabei eine der wichtigsten Hürden für Verbraucher beseitigen.
Das Handysammelcenter der Deutschen Telekom hat einen neuen Verwertungspartner. Interzero übernimmt künftig die operative Prozesskette von der Logistik über die Datenlöschung bis zur Wiederaufbereitung oder Verwertung der eingesammelten Geräte. Das katholische Hilfswerk missio Aachen beteiligt sich als einer von zwölf Kooperationspartnern an dem System.
Einen ersten Praxistest absolvierte die Kooperation beim Katholikentag in Würzburg. Dort wurden nach Angaben der beteiligten Organisationen innerhalb weniger Tage rund 2.000 ausgediente Mobilgeräte gesammelt.
Millionen Geräte bleiben ungenutzt
Das Potenzial für Rücknahmesysteme ist erheblich. Unter Berufung auf Zahlen des Digitalverbands Bitkom geht Interzero davon aus, dass rund 170 Millionen ausgediente Smartphones und Handys in deutschen Haushalten aufbewahrt werden. Werden Tablets hinzugerechnet, könnte der Bestand bei etwa 200 Millionen Geräten liegen.
Ein Grund für die geringe Rückgabequote ist die Sorge um persönliche Daten. Alte Smartphones enthalten häufig Fotos, Kontaktdaten, Nachrichten, Zugangsdaten und weitere sensible Informationen. Viele Besitzer bewahren die Geräte deshalb auf, obwohl sie nicht mehr genutzt werden. Das Sammelcenter soll diese Hürde durch eine zertifizierte Datenlöschung verringern. Interzero stellt zudem das Onlineportal bereit, organisiert die Logistik und prüft die eingehenden Geräte. Funktionsfähige Geräte sollen nach Möglichkeit wiederaufbereitet werden. Geräte, die sich nicht mehr nutzen lassen, gehen in das Recycling.
Damit folgt das System einem zentralen Prinzip der Kreislaufwirtschaft. Eine längere Nutzung erhält zunächst den Wert des gesamten Produkts. Erst wenn eine Wiederverwendung nicht mehr möglich ist, werden Materialien wie Gold, Silber oder Kupfer zurückgewonnen.
50 Cent je Gerät für soziale Projekte
Organisationen, Vereine und Bildungseinrichtungen können über das Handysammelcenter Geräte sammeln und die Erlöse einem der zwölf beteiligten Kooperationspartner zuordnen. Pro abgegebenem Gerät fließen nach Unternehmensangaben 50 Cent an das ausgewählte Projekt.
missio Aachen will mit den Einnahmen unter anderem Familien in Ghana unterstützen, die im Umfeld des Elektronikschrottstandorts Agbogbloshie leben. Zugleich verweist das Hilfswerk auf die Rohstoffe, die in den ungenutzten Geräten gebunden sind. Selbst geringe Mengen an Edelmetallen können sich angesichts von Millionen Altgeräten zu relevanten Materialströmen summieren.
Die Telekom verbindet das Sammelsystem mit ihren eigenen Rücknahmezielen. Bis 2030 will das Unternehmen nach Angaben von Patrick Marscholl, Senior Manager ESG bei Telekom Deutschland, die Hälfte der Geräte zurücknehmen, die es in Deutschland in Verkehr bringt. Das Handysammelcenter ist eine von mehreren Maßnahmen, mit denen dieses Ziel erreicht werden soll.
Vertrauen entscheidet über den Erfolg
Die beim Katholikentag eingesammelten 2.000 Geräte zeigen, dass niedrigschwellige Sammelaktionen Resonanz finden können. Im Verhältnis zu den geschätzt rund 200 Millionen ungenutzten Mobilgeräten in deutschen Haushalten bleibt die Menge allerdings gering. Für den langfristigen Erfolg dürfte daher entscheidend sein, ob Rückgabeangebote dauerhaft leicht zugänglich sind und die Nutzer der Datenlöschung vertrauen. Ebenso wichtig ist eine transparente Behandlung der Geräte. Verbraucher und sammelnde Organisationen müssen nachvollziehen können, welche Geräte wiederverwendet und welche recycelt werden.
Rücknahmesysteme können so nicht nur zusätzliche Sekundärrohstoffe erschließen. Sie können auch dazu beitragen, die Nutzungsdauer von Elektronik zu verlängern und den Bedarf an neu gewonnenen Rohstoffen zu reduzieren. Voraussetzung ist, dass möglichst viele Altgeräte tatsächlich aus den Schubladen zurück in den Kreislauf gelangen.
Bild oben: missio Aachen besucht mit Sister Mercy die Handy-Wiederaufbereitung von Interzero am Standort in Melle. Foto: Bernd Weishaupt/missio
