Ein Roboter, der übers Wasser segelt statt zu fliegen, um Energie zu sparen. Drohnen, die sich nach ihrem Einsatz einfach zersetzen. Maschinen, die nicht nur schneller und präziser werden sollen – sondern der Umwelt aktiv helfen. Was nach Zukunftsmusik klingt, ist der Kern eines Manifests, das Forschende der Empa und EPFL kürzlich in der Fachzeitschrift Nature Machine Intelligence veröffentlicht haben.
Bisher drehte sich in der Robotik fast alles um eine Frage: Was kann die Maschine leisten? Geschwindigkeit, Präzision, Autonomie. Mirko Kovač, der das Manifest gemeinsam mit Kolleginnen aus Italien und Südkorea verfasst hat, findet das zu kurz gedacht. „Die eigentliche Frage muss lauten: Welche Rolle sollen Roboter in einer nachhaltigen Zukunft spielen?“, „Unser Ziel ist es nicht nur, Roboter nachhaltiger zu machen“, sagt Kovač. „Wir möchten Nachhaltigkeitsrobotik als eigenständige wissenschaftliche Disziplin etablieren.“

Sein Team schlägt drei Prinzipien vor, an denen sich Robotik künftig orientieren soll: Sie soll minimal-invasiv sein – energiesparend, reparierbar, im Idealfall sogar biologisch abbaubar. Sie soll zugänglich sein – erschwinglich und einsetzbar auch dort, wo kein Geld für teure Hightech-Lösungen vorhanden ist. Und sie soll symbiotisch funktionieren – als Partner von Mensch und Natur, nicht als isoliertes Werkzeug.
Ein Roboter, der segelt und fliegt
Wie das aussehen kann, zeigt ein Beispiel aus der eigenen Forschung: der SailMAV. Der Roboter kombiniert Flug- und Segelfunktion – er fliegt zu seinem Einsatzort und nutzt dann den Wind, um über Wasserflächen zu gleiten. Der Vorteil: minimaler Energieverbrauch bei der Überwachung von Gewässern, etwa zur Kontrolle von Wasserqualität oder Fischbeständen. Weitere Anwendungen, die die Forschenden im Blick haben: Drohnen zur Waldüberwachung, Unterwasserroboter für Korallenriffe, autonome Systeme für die Katastrophenhilfe – oder auch Roboter, die beim Recycling helfen, indem sie Abfallströme automatisch sortieren.
Warum das für die Kreislaufwirtschaft relevant ist
Für die Circular-Economy-Branche steckt in diesem Manifest mehr als eine akademische Debatte. Wenn Roboter künftig selbst nach Kreislaufprinzipien gebaut werden – aus recycelbaren Materialien, reparierbar statt wegwerfbar – und gleichzeitig aktiv beim Ressourcen-Management helfen, entsteht ein doppelter Nutzen: weniger Elektroschrott auf der einen Seite, effizientere Kreislaufprozesse auf der anderen.
Ob sich Sustainability Robotics als eigenständiges Forschungsfeld durchsetzt, wird sich zeigen. Kovač ist aber überzeugt, dass sich die Robotik ohnehin in diese Richtung entwickeln muss: „Am Ende zählt nicht, wie clever ein Roboter ist – sondern wem er nützt und was er unserem Planeten bringt.“
Bild ganz oben: Prof Dr. Mirko Kovač fordert mit einem Manifest die Etablierung von «Sustainability Robotics» als neue wissenschaftliche Disziplin. Ziel ist es, Robotik konsequent an ökologischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Nachhaltigkeitszielen auszurichten. Foto: Empa
