Die Europäische Kommission hat Ende 2025 ein neues Maßnahmenpaket zur Förderung der Kreislaufwirtschaft vorgestellt. Im Mittelpunkt steht die Kunststoffindustrie, deren Recyclingfähigkeit verbessert und deren Wettbewerbsfähigkeit gestärkt werden soll. Die Kommission verfolgt damit das Ziel, Europas Abhängigkeit von Primärressourcen zu verringern und gleichzeitig eine klimafreundlichere Industrie zu schaffen.

Ein zentrales Element des Maßnahmenpakets ist die Einführung EU-weiter „End-of-Waste“-Kriterien für Kunststoffe. Diese sollen definieren, ab wann recycelte Kunststoffe nicht mehr als Abfall gelten und wieder als Rohstoff einsetzbar sind – ein Schritt, der europaweit einheitliche Standards schaffen und Verwaltungsaufwand reduzieren soll. Zudem wurde ein Vorschlag zur Festlegung des Rezyklatgehalts bei PET-Einwegflaschen vorgelegt.

Weitere Initiativen umfassen neue Zollcodes für Primär- und Rezyklatkunststoffe sowie die Wiedereinsetzung der „Circular Plastics Alliance“ als branchenübergreifende Kooperationsplattform. Unterstützt werden sollen diese Vorhaben durch Investitionsanreize, unter anderem in Zusammenarbeit mit der Europäischen Investitionsbank.

Kritik: Keine Antwort auf akute Marktprobleme

Trotz der grundsätzlichen Unterstützung der politischen Zielrichtung kommt aus der Recyclingbranche deutliche Kritik. Der Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Kreislaufwirtschaft (BDE) wirft der Kommission vor, in einer Phase massiver wirtschaftlicher Belastungen auf konkrete Soforthilfen zu verzichten:

„Die Lage der Kunststoffrecycler ist ernst. Viele Unternehmen kämpfen ums wirtschaftliche Überleben. Ohne klare Herkunftsvorgaben droht eine Verlagerung der Wertschöpfung ins Ausland. (…) Eine ‚Made-in-Europe‘-Regelung für recycelte Kunststoffe wäre ein klares Signal an den Markt gewesen.“
— Anja Siegesmund, Geschäftsführende Präsidentin des BDE.

Der europäische Verband FEAD kritisiert ebenfalls, dass das Paket an den strukturellen Problemen des Rezyklatmarktes vorbeigehe. Ohne wirtschaftliche Anreize und eine verpflichtende Priorisierung europäischer Rezyklate bleibe das Maßnahmenpaket wirkungslos:

„Die Abwesenheit einer klaren ‚Made-in-Europe‘-Klausel für Rezyklat im Kommissionspaket ist eine verpasste Gelegenheit. In einer Zeit, in der die europäische Kunststoff-Recyclingindustrie eine beispiellose Krise erlebt, sendet dies ein eindeutig unzureichendes Signal an den Markt.“
— Paolo Campanella, Generalsekretär von FEAD.

Interessen: Marktstabilität und Investitionssicherheit

Hinter den Forderungen der Recyclingwirtschaft steht das Interesse, europäische Rezyklatproduktion gegenüber billigeren Importen besser abzusichern. Branchenverbände wie BDE und FEAD warnen davor, dass ohne konkrete Marktvorgaben und Abnahmeverpflichtungen neue Investitionen ausbleiben könnten und bestehende Kapazitäten verloren gehen – mit langfristigen Folgen für die europäische Kreislaufwirtschaft.

Evaluation und nächste Schritte

Parallel zu den neuen Vorschlägen hat die EU-Kommission eine öffentliche Konsultation zur Bewertung der Einwegkunststoffrichtlinie gestartet. Sie soll untersuchen, inwiefern bisherige Maßnahmen Umwelt- und Gesundheitsziele erreicht haben. Zudem soll der angekündigte „Circular Economy Act“ im Jahr 2026 ein umfassenderes Regelwerk schaffen.

Ob das jetzige Paket tatsächlich ausreicht, um Europas Kunststoffwirtschaft nachhaltiger und wettbewerbsfähiger zu machen, wird maßgeblich davon abhängen, ob die Kommission die Forderungen der Branche nach einer verbindlicheren Ausgestaltung aufgreift – und ob sie bereit ist, wirtschaftliche Realität stärker in regulatorische Entscheidungen zu integrieren.

Bild oben: Die EU-Komission will das Kunststoffrecycling in Europa fördern. Foto: Pixabay/NakNakNak


Von fil