Neues Zentrum für die Erforschung von Recycling

Die Fraunhofer-Einrichtung für Wertstoffkreisläufe und Ressourcenstrategie IWKS hat ihren Neubau in der Brentanostraße in Alzenau offiziell eröffnet. Aufgrund der Corona-Schutzmaßnahmen fand die Eröffnung als Online-Veranstaltung statt. Gemeinsam mit ihrer Stellvertreterin, Dr. Andrea Gassmann, zerschnitt Institutsleiterin Prof. Dr. Anke Weidenkaff im Rahmen der Eröffnungszeremonie das symbolische Band. Damit beginnt nun offiziell der Einzug und die Nutzung des neuen Forschungsgebäudes.

“Das Thema nachhaltige Wertschöpfung, der Schutz von Klima und Umwelt sowie die Verbindung von Ökologie und Ökonomie haben in den letzten Jahren immer weiter an Bedeutung gewonnen. Natürliche Ressourcen sind begrenzt, werden aber von der wachsenden Weltbevölkerung immer schneller verbraucht”, erklärt Fraunhofer-Präsident Prof. Reimund Neugebauer. “Die Fraunhofer-Forschung leistet einen wichtigen Beitrag, um neue nachhaltigere Technologien zu entwickeln, bestehende zu optimieren und im Sinne optimierter Ressourceneffizienz eingesetzte Materialien im Wirtschafts- und Wertstoff-Kreislauf zu halten. Die Fraunhofer-Einrichtung für Wertstoffkreisläufe und Ressourcenstrategie IWKS forscht genau an dieser Schnittstelle. Mit den beiden Neubauten in Alzenau und Hanau wird die Forschungsinfrastruktur für die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vor Ort erheblich verbessert und vergrößert.”

Technische Funktionalität im naturnahen Gewand

In Alzenau ist ein optisch einzigartiger und funktionaler Forschungsneubau für das Fraunhofer IWKS entstanden. Das neue Büro-, Labor- und Technikumsgebäude erweitert das bestehende Gebäude des Fraunhofer IWKS in Alzenau um rund 2400 m² Nutzfläche und bietet Platz für rund 80 Mitarbeitende. Architekt des Gebäudes ist Bruno Vennes vom federführenden Planungsbüro BHBVT in Berlin. Das Büro hatte sich bei der EU-weiten öffentlichen Ausschreibung erfolgreich gegen weitere rund 30 Architekturbüros durchgesetzt und die Planung übertragen bekommen. Überzeugt hatte der ungewöhnliche und sich trotzdem harmonisch in das Areal einfügende siebeneckige Baukörper das Auswahlgremium, das mit Vertretern der Fraunhofer-Gesellschaft und des Freistaats Bayern besetzt war, vor allem wegen seiner Funktionalität und der ästhetischen Integration der hochtechnischen Nutzeranforderungen.

Nachhaltigkeit – nicht nur in der Forschung

Der Neubau in Alzenau ist nach den Richtlinien für Nachhaltiges Bauen erstellt worden. Dabei wurden gemäß des Bewertungssystems verschiedene, ökonomische, ökologische und soziokulturelle Parameter bei der Bauplanung und -ausführung berücksichtigt und geprüft. Insbesondere wurde beim Bau auf eine nachhaltige Wärme- und Kälteerzeugung geachtet. Mit vielen anderen Beiträgen zur Baumaßnahme, beispielsweise der Prüfung auf Nachhaltigkeit aller zum Einsatz kommenden Bauteile und -materialien oder des bewusst sparsamen Flächenverbrauchs für das Gebäude auf dem naturnahen Institutsgelände in Alzenau strebt Fraunhofer die Zertifizierung mit BNB-Goldstatus an.

“Wir freuen uns sehr, unser neues Gebäude und insbesondere das Technikum und die Labore zu beziehen. Der innovative Neubau ermöglicht es uns, die Spitzenforschung am Bayerischen Untermain noch weiter voranzutreiben und uns zu einer zentralen Anlaufstelle in Sachen Kreislauf- und Ressourcenmanagement zu etablieren”, berichtet Institutsleiterin des Fraunhofer IWKS, Prof. Dr. Anke Weidenkaff.

“In Alzenau wird sich die Forschungsarbeit am Fraunhofer IWKS vor allem auf die Themenbereich Bioökonomie und Digitalisierung von Ressourcen konzentrieren. Um Wertstoffe erfolgreich im Kreislauf zu halten, benötigt es nicht nur fortschrittlicher Recyclingtechnologien, sondern auch digitale Tools zur Ressourcenerfassung, -berechnung und für ein Design für Recycling. In den neuen Räumlichkeiten können wir neue Lösungen für wichtige Forschungsfragen finden, die eine nachhaltigere Kreislaufwirtschaft ermöglichen werden und unser bestehendes Know-how in diesem Bereich weiter ausbauen und einen noch größeren Mehrwert für die Industrie in Bayern und darüber hinaus leisten”, so Prof. Weidenkaff.

Förderer und Finanzierung

Bundesministerium für Bildung und Forschung, 25 %

Bayerisches Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie, 25 %

Europäische Union – Europäischer Fonds für regionale Entwicklung, 50 %

Gesamtkosten des Neubaus: 33 Millionen Euro

Die Fraunhofer-Gesellschaft ist die weltweit führende Organisation für anwendungsorientierte Forschung. Mit ihrer Fokussierung auf zukunftsrelevante Schlüsseltechnologien sowie auf die Verwertung der Ergebnisse in Wirtschaft und Industrie spielt sie eine zentrale Rolle im Innovationsprozess. Als Wegweiser und Impulsgeber für innovative Entwicklungen und wissenschaftliche Exzellenz wirkt sie mit an der Gestaltung unserer Gesellschaft und unserer Zukunft. Die 1949 gegründete Organisation betreibt in Deutschland derzeit 74 Institute und Forschungseinrichtungen. Rund 28 000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, überwiegend mit natur- oder ingenieurwissenschaftlicher Ausbildung, erarbeiten das jährliche Forschungsvolumen von 2,8 Mrd EUR. Davon fallen 2,3 Mrd EUR auf den Leistungsbereich Vertragsforschung.

Die Fraunhofer-Einrichtung für Wertstoffkreisläufe und Ressourcenstrategie IWKS mit Standorten in Alzenau und Hanau wurde im Jahr 2011 von der Fraunhofer-Gesellschaft unter dem Dach des Fraunhofer ISC gegründet. In den Geschäftsbereichen Ressourcenstrategie, Recycling und Wertstoffkreisläufe und Substitution wird daran gearbeitet, die Rohstoffversorgung unserer
Industrie langfristig zu sichern und damit eine führende Position in der Hochtechnologie auch zukünftig zu ermöglichen. Dafür werden zusammen mit Industriepartnern innovative Trenn-, Sortier-, Aufbereitungs- und Substitutionsmöglichkeiten erforscht.

Foto: Fraunhofer IWKS / Rainer Täpper