Mit den neuen EU-Vorgaben gegen irreführende Umweltwerbung steigt der Druck auf Marken, Nachhaltigkeitsversprechen sauber zu belegen. VAUDE reagiert darauf, indem das Unternehmen seinen bisherigen Green-Shape-Standard aus der eigenen Markenwelt herauslöst und in ein unabhängiges Zertifizierungssystem überführen will. Für die Textil- und Outdoorbranche ist das ein bemerkenswerter Schritt, weil damit ein bislang unternehmensnahes Label in Richtung branchenoffenes Instrument weiterentwickelt werden soll.
Auslöser ist die Richtlinie (EU) 2024/825, besser bekannt als „Empowering Consumers for the Green Transition“ (EmpCo). Die Mitgliedstaaten mussten die nötigen nationalen Vorschriften bis zum 27. März 2026 erlassen und veröffentlichen. Angewendet werden sie ab dem 27. September 2026. Deutschland hat die Richtlinie im Februar 2026 in nationales Recht umgesetzt, unter anderem mit dem Dritten Gesetz zur Änderung des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb.
Vom internen Label zur unabhängigen Trägerschaft
Green Shape gibt es bei VAUDE seit 2010. Der Standard deckt nach Unternehmensangaben den gesamten Produktlebenszyklus ab, also Design, Materialien, Herstellprozesse, Nutzung und das Produktende. Inzwischen liegt der Standard laut VAUDE beim gemeinnützigen Green Shape e.V., der als Träger und Programmeigner fungiert. Damit soll Green Shape nicht länger nur ein Instrument für VAUDE sein, sondern perspektivisch auch anderen Marken offenstehen.
Zirkularität wird zum Prüfstein
Für ein Fachmedium wie Circular Technology ist vor allem der inhaltliche Zuschnitt relevant. Nach Angaben von VAUDE setzt das neue Green-Shape-Zertifizierungsprogramm auf Kriterien, die direkt auf zirkuläre Produktstrategien einzahlen. Dazu gehören reparierbares und recycelbares Design, ein Anteil von mehr als 50 Prozent zertifizierten recycelten oder erneuerbaren Rohstoffen, strenge Chemikalien- und Umweltstandards in der Lieferkette sowie Service-, Reparatur- und Rücknahmelösungen. Der Ansatz zielt damit nicht nur auf Materialien und Produktion, sondern ausdrücklich auch auf Nutzungsdauer und End-of-Life.
Akkreditierung ist noch nicht abgeschlossen
Entscheidend ist nun, ob aus dem bisherigen Standard tatsächlich ein unabhängiges und breiter nutzbares Zertifizierungssystem wird. VAUDE zufolge befindet sich Green Shape derzeit in der Prüfung auf Akkreditierfähigkeit bei der Deutschen Akkreditierungsstelle. Ebenfalls nach Unternehmensangaben wurde Green Shape bereits als EU-Gewährleistungsmarke des Green Shape e.V. eingetragen. Solange dieser Prozess noch läuft, sollte Green Shape vor allem als Standard im Übergang verstanden werden, nicht als bereits vollständig etablierter Branchenmaßstab.
Ein Signal über VAUDE hinaus
Strategisch ist der Schritt dennoch relevant. Die EmpCo-Regeln machen allgemeine oder unscharfe Umweltversprechen riskanter, während belastbare Nachweise, überprüfbare Kriterien und unabhängige Strukturen an Gewicht gewinnen. Genau in diesem Spannungsfeld positioniert VAUDE Green Shape neu. Ob daraus tatsächlich ein Referenzsystem für die Textil- und Outdoorbranche wird, hängt allerdings nicht nur von der Akkreditierung ab, sondern auch davon, ob weitere Marken und Zertifizierungsstellen das Modell annehmen.
VAUDE will selbst den Anfang machen
VAUDE plant nach eigenen Angaben, als erste Marke Produkte nach dem neuen Green-Shape-Standard zertifizieren zu lassen. Die Winterkollektion 2026 könnte damit bereits erste entsprechend gekennzeichnete Produkte in den Handel bringen. Noch ist das ein Unternehmensplan, kein vollzogener Marktfakt. Als Signal an die Branche ist die Ankündigung dennoch klar. VAUDE will Green Shape nicht nur organisatorisch öffnen, sondern die neue Struktur auch im Markt sichtbar machen.
Bild oben: Greenshape Gruppenfoto: Foto: Green Shape / VAUDE
