Beim Großseminar des VDBUM Verband der Baubranche, Umwelt- und Maschinentechnik e. V. im sauerländischen Willingen ging es um Rückbau, Recycling und Daten als Grundlage für effizientere und nachvollziehbare Bauprozesse. Der Verband meldete Rekordzahlen und gleichzeitig eine Kapazitätsgrenze. In den Gesprächen blieb neben dem Technikoptimismus vor allem der Wunsch nach schnellerer Umsetzung und planbaren Rahmenbedingungen präsent.
Das 54. VDBUM Großseminar fand vom 10. bis 13. Februar 2026 in Willingen statt und stand unter dem Motto „Brücken bauen – Zukunft gestalten“. Der VDBUM spricht von 1.200 Teilnehmenden. VDBUM-Präsident Dirk Bennje bezeichnete die Ausgabe als „Großseminar der Superlative“ und sagte, man habe die ultimative Teilnehmerzahl erreicht, die am Standort möglich sei.

Begleitet wurde das Format von einer Fachausstellung, der Verband berichtet von einer verhalten positiven bis optimistischen Stimmung unter den 130 Ausstellern. Zudem seien die rund 50 Vorträge durchgehend gut besucht gewesen.
Kreislaufwirtschaft rückt näher an die Baustelle
Im Programm tauchten Rückbau, Recycling und digital gestützte Stoffkreisläufe an mehreren Stellen konkret auf. Der VDBUM nennt unter den Schwerpunkten unter anderem „Abbruch und Recycling“ sowie „Werkstatt und Logistik“.
Auch einzelne Programmpunkte waren klar auf zirkuläre Logiken ausgerichtet, etwa „Circular Economy im Straßenbau mit Fokus auf die Logistik“. Daneben wurden Themen sichtbar, die für Kreislaufstrategien in der Praxis entscheidend sind, weil sie Qualität, Nachweisführung und Wiederverwendung beeinflussen, zum Beispiel Batterierecycling.
In Gesprächen am Rand zeigte sich, dass Nachhaltigkeit weiterhin als wesentliches Kriterium wahrgenommen wird, vor allem dort, wo Ausschreibungen, Nachweise und Wirtschaftlichkeit zusammenlaufen.
Digitalisierung als Hebel, Start-ups und Etablierte treiben parallel

Digitalisierung war in Willingen nicht nur ein Begleitthema. Im offiziellen Rückblick betonen die Schwerpunktpartner, wie wichtig Echtzeitdaten für schnellere Bauprozesse sind. Der VDBUM schreibt zudem, die Unternehmen hätten Lösungen für digitale Transformation, nachhaltige Antriebskonzepte und Effizienzsteigerung gezeigt.
Dass dabei nicht nur große Namen sichtbar sind, spiegelt sich auch im Programm. Ein Start-up-Slot griff unter anderem digitale Zeiterfassung und Change-Management-Fragen auf. In Gesprächen wurde dieser Schub häufig als Voraussetzung beschrieben, um Materialeinsatz, Maschinennutzung und Dokumentation so zu steuern, dass Ressourceneffizienz und Kreislaufansätze im Alltag belastbar funktionieren.
Bürokratie bleibt Bremse, Investitionsschub wird erwartet
Neben dem Technikoptimismus blieb das Umsetzungstempo ein Reizthema. Auf dem Podium wurde die Genehmigungspraxis als extrem mühsam beschrieben, als Beispiel wird genannt, dass SuedLink zwölf Jahre Planungszeit benötigte oder die Genehmigung einer Brückensanierung sogar 25 Jahre, etwa so lange, wie die Brücke selbst halten soll.
Damit verbunden war vielerorts die Erwartung, dass angekündigte Investitionen schneller in Projekte übergehen. Der VDBUM-Präsident forderte, die versprochenen 500 Milliarden Euro auch fließen zu lassen, die Branche brauche Verlässlichkeit. Als politischer Kontext gilt das Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität, das Bundesfinanzministerium beschreibt dafür zusätzliche Investitionen von 500 Milliarden Euro sowie eine Laufzeit von zwölf Jahren für Bewilligungen.
Förderpreis und Azubi Cup, Innovation und Nachwuchs im Rampenlicht

Der VDBUM-Förderpreis wurde am 11. Februar zum 13. Mal verliehen. Der Verband nennt 53 Anmeldungen für die drei Kategorien als neuen Rekord. Ausgezeichnet wurden Dynapac für den Elektro-Großfertiger SD25 80C e sowie eine Masterarbeit der Bauhaus-Universität Weimar. Die Kategorie „Innovationen aus der Praxis“ gewann abaut mit „die nächste Generation der Telematik“.
Der Azubi Cup erlebte am 12. Februar sein Finale. Laut VDBUM kamen 24 Finalisten aus acht Vorentscheiden nach Willingen. Auf dem Podium wurden Leon Koppenhöfer als Sieger, Tim Schmittgal auf Platz zwei und Dean Gründel auf Platz drei ausgezeichnet.
Was aus Willingen mitgenommen wird
Willingen 2026 zeigte, wie eng Kreislaufwirtschaft, Digitalisierung und Baustellenpraxis inzwischen zusammengedacht werden, von Rückbaufragen bis zur Datenbasis für Material- und Prozessentscheidungen. Gleichzeitig blieb die Spannung zwischen Innovationsdynamik und Umsetzungshürden spürbar. Viele warten darauf, dass aus politischen Zusagen, Genehmigungsreformen und Investitionsprogrammen schneller konkrete Projekte werden, damit die technischen Lösungen auch in der Breite ankommen.
Bild ganz oben: Bei der Podiumsdiskussion am ersten Abend des Seminars wurden die aktuellen Herausforderungen der Bauwirtschaft thematisiert und Lösungswege aufgezeigt. Foto: Circular Technology
