In Guben soll eine neue Pilotanlage für die Herstellung biobasierter Carbonfasern entstehen. Das Vorhaben ist Teil der Carbon Lab Factory Lausitz und wird nach Angaben der Beteiligten mit 53,3 Millionen Euro von Bund und Land Brandenburg gefördert. Die Stadt Guben investiert zusätzlich rund 20 Millionen Euro in den Bau des Gebäudes im Industriepark.

Träger des Projekts ist das Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP. Ziel ist es, Verfahren zur Herstellung biobasierter Vorläuferfasern und Carbonfasern in einen industrienahen Maßstab zu überführen. Die Anlage in Guben soll dabei eine zentrale Rolle beim Aufbau neuer Wertschöpfung in der Lausitz spielen, die sich seit Jahren im Strukturwandel befindet.

Carbonfasern gelten als Hochleistungswerkstoffe, weil sie geringes Gewicht mit hoher Festigkeit und Steifigkeit verbinden. Sie werden vor allem im Leichtbau eingesetzt, etwa in der Automobilindustrie, in der Luftfahrt, bei Windkraftanlagen oder im Fahrradbau. Auch in Energiesystemen, etwa für Batterien oder Brennstoffzellen, wächst ihre Bedeutung. Bislang werden Carbonfasern überwiegend auf Basis fossiler Rohstoffe hergestellt. Biobasierte Alternativen, etwa aus Cellulose oder Lignin aus Holz, sollen die Rohstoffbasis verbreitern und nach Einschätzung der Branche Vorteile bei Ressourcenverbrauch, CO2-Bilanz und Versorgungssicherheit bieten. Zugleich erhoffen sich Forschung und Industrie anwendungsspezifisch anpassbare Materialeigenschaften.

Kompetenz bei der Fasererzeugung

Das Fraunhofer IAP verfügt nach eigenen Angaben bereits über Erfahrung in der Herstellung solcher Fasern. Dabei werden biobasierte Rohstoffe zunächst gelöst und zu Vorläuferfasern versponnen. In einem weiteren Schritt werden diese durch Carbonisierung in Carbonfasern umgewandelt. In Guben soll nun eine Pilotinfrastruktur entstehen, mit der unterschiedliche Vorläuferfasern bis in den Tonnenmaßstab hergestellt werden können. Ergänzt werden soll dies durch eine Laboranlage zur Carbonisierung, die neuartige Vorläuferfasern im Kilogrammmaßstab zu Carbonfasern verarbeitet. Damit sollen Prozesse bewertet, optimiert und Mustermengen für industrielle Tests bereitgestellt werden.

Ein wichtiger Schritt für das Projekt war nach Angaben der Beteiligten der positive Beschluss der Interministeriellen Arbeitsgruppe zur Förderwürdigkeit vom 12. März 2026. Die Inbetriebnahme der Anlagen ist für Ende 2029 vorgesehen. Die Carbon Lab Factory Lausitz ist als länderübergreifendes Vorhaben angelegt. Parallel soll in der sächsischen Lausitz unter Leitung der Technischen Universität Chemnitz eine weitere Pilotanlage entstehen, die Carbonfasern im Tonnenmaßstab produziert. Dort können sowohl konventionelle als auch die in Guben entwickelten Vorläuferfasern verarbeitet werden. Gemeinsam mit der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg sollen zudem carbonfaserverstärkte Verbundwerkstoffe für Leichtbauanwendungen entwickelt werden.

Nach Darstellung der Projektpartner soll so eine durchgängige Wertschöpfungskette aufgebaut werden, die von nachwachsenden Rohstoffen bis hin zu fertigen Bauteilen reicht. Regionale Unternehmen sollen in die Erprobung von Demonstratoren und Prototypen eingebunden werden, um den Transfer in industrielle Anwendungen zu beschleunigen.

Bild oben: Im Rahmen der Carbon Lab Factory Lausitz wird am Standort Guben eine Pilotanlage zur Herstellung nachhaltiger, kostengünstiger und wettbewerbsfähiger Carbonfasern errichtet werden. Foto: Fraunhofer IAP / Kristin Stein

Von fil