Das Schweizer Cleantech-Unternehmen Synhelion hat erstmals eine Baumaschine mit erneuerbarem synthetischem Diesel betankt. Zum Einsatz kam der Kraftstoff in einem Bagger der Eberhard Bau AG auf der Baustelle des Brüttener Tunnels nahe Bassersdorf im Kanton Zürich. Nach Angaben von Synhelion soll der Praxiseinsatz zeigen, dass synthetische Kraftstoffe auch unter anspruchsvollen Bedingungen im Baustellenbetrieb zuverlässig genutzt werden können.

Der verwendete Diesel stammt aus der Synhelion-Anlage DAWN in Jülich. Dort produziert das Unternehmen seit 2024 erneuerbare Kraftstoffe im industriellen Maßstab. Mit der ersten Lieferung an Eberhard wollen die beiden Schweizer Unternehmen ein Signal für die Dekarbonisierung der Bauwirtschaft setzen.

Gerade schwere Baumaschinen gelten als schwierig zu elektrifizieren. Hoher Energiebedarf, wechselnde Einsatzorte, unwegsames Gelände und begrenzte Ladeinfrastruktur erschweren den batterieelektrischen Betrieb vieler Maschinen. Flüssige Kraftstoffe bleiben deshalb in Teilen der Bauwirtschaft auf absehbare Zeit eine praktikable Option. Synhelion positioniert seinen synthetischen Diesel als sogenannten Drop-in-Kraftstoff, der ohne technische Anpassungen in bestehenden Dieselmotoren eingesetzt werden kann. Nach Unternehmensangaben liefert der Kraftstoff die gleiche Leistung wie konventioneller Diesel und kann die Netto-CO₂-Emissionen um bis zu 100 Prozent senken.

Alltagstausglichkeit zählt

Für Eberhard steht bei dem Test vor allem die Alltagstauglichkeit im Vordergrund. Silvan Eberhard, Leiter Logistik bei Eberhard Unternehmungen, verweist auf die hohen Anforderungen im Baustelleneinsatz. Entscheidend seien Leistung und Zuverlässigkeit. Der erste Einsatz zeige, dass erneuerbare Kraftstoffe im täglichen Baubetrieb funktionieren könnten. Ab 2027 will das Unternehmen größere Mengen des Synhelion-Diesels beziehen.

Synhelion sieht den Einsatz im Bagger als weiteren Nachweis für die Breite möglicher Anwendungen. Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben bereits erneuerbare Kraftstoffe für Luftfahrt, Schifffahrt und Straßenverkehr demonstriert. Philipp Furler, Co-CEO und Mitgründer von Synhelion, betont zugleich die Bedeutung der Skalierung. Maschinen im Bau- und Infrastruktursektor würden noch lange auf flüssige Kraftstoffe angewiesen sein. Damit erneuerbare Kraftstoffe einen relevanten Beitrag zu Netto-Null-Emissionen leisten könnten, müssten nun Produktionsmengen erhöht und Kosten gesenkt werden.

Die Anlage DAWN ist Synhelions erste Industrieanlage, in der die zentralen Technologien des Unternehmens zur Herstellung erneuerbarer Kraftstoffe integriert sind. Mit der Demonstrationsanlage will Synhelion belegen, dass die Technologie industriell einsetzbar ist und für eine größere Skalierung vorbereitet werden kann.

Für die Bauwirtschaft ist der Test vor allem deshalb relevant, weil die Branche neben batterieelektrischen Lösungen auch Alternativen für schwer elektrifizierbare Anwendungen benötigt. Synthetische Kraftstoffe könnten dort eine Rolle spielen, wo Maschinen hohe Leistungen erbringen müssen, lange Betriebszeiten gefordert sind oder Ladeinfrastruktur nur begrenzt verfügbar ist. Entscheidend bleibt jedoch, ob solche Kraftstoffe künftig in ausreichenden Mengen und zu wettbewerbsfähigen Kosten produziert werden können.

Bild oben: Philipp Furler, Co-CEO und Mitgründer von Synhelion, vor einem Bagger des Bauunternehmens Eberhard’s, der erstmals mit synthetischem Diesel betankt wurde. Foto: Synhelion

Von fil