Die Preise für LDPE-Regranulate lagen im Mai 2026 bei rund 1.450 Euro je Tonne. Im Januar waren es nach Erhebungen des Recycario Data Science Instituts noch etwa 1.345 Euro je Tonne. Daraus ergibt sich für die ersten fünf Monate des Jahres ein Anstieg um rund acht Prozent beziehungsweise etwa 100 Euro je Tonne.
Die rLDPE-Preise erhöhten sich vor allem im Frühjahr. Recycario registrierte im März und April Aufschläge von jeweils rund 45 Euro je Tonne, im Mai kamen weitere 35 Euro hinzu. Die Auswertung beruht auf Angebots- und Transaktionspreisen europäischer Handels- und Onlineplattformen. Der Markt für LDPE-Neuware reagierte laut Bericht wesentlich stärker auf die Spannungen im Nahen Osten und die zeitweisen Einschränkungen der internationalen Öllogistik. Die Notierungen für LDPE-Film-Neuware stiegen demnach von rund 1.800 Euro je Tonne im Januar auf etwa 3.100 Euro im Mai. Bei den Regranulaten fiel der Anstieg wesentlich geringer aus.
Nachfrage nach hochwertigen Qualitäten steigt
Innerhalb des Regranulatmarktes verlief die Entwicklung je nach Farbklasse unterschiedlich. Weniger helle Qualitäten blieben über längere Zeit vergleichsweise stabil. Erst im April und Mai registrierte Recycario dort Preisaufschläge von insgesamt rund 100 Euro je Tonne. Helle sowie weiße und naturfarbene Qualitäten zogen bereits im März an. Recycario führt dies auf eine höhere Nachfrage nach Material zurück, das Primärkunststoffe in anspruchsvolleren Anwendungen ersetzen kann. Parallel zu den Preisen nahmen auch die auf einer ausgewerteten Handelsplattform angebotenen beziehungsweise gehandelten Mengen zu.
Die Farbklasse dient dabei als Indikator für Sortenreinheit und Aufbereitungsaufwand. Helle Regranulate benötigen in der Regel hochwertigere Eingangsmaterialien sowie intensivere Sortier-, Wasch- und Heißwaschprozesse. Ihre Herstellung hängt deshalb besonders stark von der Verfügbarkeit geeigneter Folienabfälle ab.
Zwei Preisszenarien bis November
Für die weitere Entwicklung haben Recycario und die Prognostica GmbH ein Best- und ein Worst-Case-Szenario berechnet. Ausgangspunkt ist das Preisniveau vom Mai 2026. Im Best Case steigt der rLDPE-Preis bis zum Ende des dritten Quartals kumuliert um rund 4,1 Prozent. Bis Mitte des vierten Quartals beziehungsweise November könnte der Zuwachs rund 7,1 Prozent erreichen. Das Modell setzt dabei voraus, dass die Lagerbestände bei den Verarbeitern zurückgehen und die Nachfrage nach Regranulaten wieder kontinuierlicher wird. Zusätzliche Impulse könnten aus Verpackungs- und Konsumgüteranwendungen sowie aus den bevorstehenden Rezyklatvorgaben entstehen.
Das ungünstige Szenario ergibt bis zum Ende des dritten Quartals zunächst eine weitgehend stabile Entwicklung mit einem Plus von 0,1 Prozent. Bis November könnte der Preis gegenüber Mai um rund 2,1 Prozent sinken. Als mögliche Ursachen nennt der Bericht günstige Primärkunststoffimporte, hohe Lagerbestände bei den Verarbeitern und eine schwache Industriekonjunktur.
Die begrenzte Verfügbarkeit hochwertiger Regranulate wirkt dem Modell zufolge stärkeren Preisrückgängen entgegen. Für bestimmte Verpackungsanwendungen werden Qualitäten benötigt, die nur ein Teil der europäischen Aufbereitungskapazitäten liefern kann.
K40-Ballenware erreicht Zweijahreshoch
Auf der Beschaffungsseite haben sich die Kosten für Recycler bereits deutlich erhöht. Der europäische Durchschnittspreis für LDPE-Folienballen der Sorte K40 stieg im Mai auf rund 430 Euro je Tonne. Damit erreichte die Ballenware laut Recycario den höchsten Stand seit dem Frühjahr 2024.
Besonders hoch lagen die Spotpreise in Deutschland. Für Mai nennt der Bericht durchschnittlich 564 Euro je Tonne. Bei regelmäßigen Lieferbeziehungen lag der deutsche Wert mit rund 370 Euro deutlich niedriger. Im Vereinigten Königreich wurden durchschnittlich 478 Euro, in Italien und Polen jeweils etwa 330 Euro je Tonne ermittelt.
Erste, zum Zeitpunkt der Berichterstellung noch unvollständige Abschlüsse für Juni lagen regional bereits bei rund 500 Euro je Tonne. Ob sich dieses Niveau dauerhaft durchsetzt, lässt sich nach Einschätzung der Autoren erst nach Abschluss der monatlichen Erhebung beurteilen.
Exporte verschärfen den Wettbewerb um Rohstoffe
Recycario begründet die höheren K40-Preise vor allem mit der knappen Verfügbarkeit geeigneter Kunststoffabfälle. Unter Berufung auf Daten des Basel Action Network nennt der Bericht für Deutschland im April 2026 Kunststoffabfallexporte von rund 77.000 Tonnen. Im Januar waren es noch etwa 40.000 Tonnen gewesen. Rund 18.000 Tonnen gingen im April in die Türkei, weitere 7.000 Tonnen in die Niederlande. Insgesamt seien rund 28 Prozent der deutschen Ausfuhren in Staaten außerhalb der OECD geliefert worden. Gleichzeitig gelangen weiterhin recyclingfähige Folienabfälle in die energetische Verwertung. Recycler konkurrieren damit sowohl untereinander als auch mit Exporteuren und Verbrennungsanlagen um das verfügbare Material.
Die rLDPE-Preiserhöhung von rund 35 Euro je Tonne im Mai reichte nach Einschätzung von Recycario nicht aus, um den Anstieg der Rohstoffkosten vollständig auszugleichen. Für die Hersteller von Regranulaten bleibt die Margensituation daher angespannt.
Frühere Prognose lag 2,3 Prozent unter dem Marktpreis
Als Vergleich nennt Recycario eine im November 2025 erstellte Prognose für Mai 2026. Das damalige High-Case-Szenario hatte für hochwertiges transparentes rLDPE einen Preis von 1.418 Euro je Tonne errechnet. Die im Mai erhobene Notierung lag bei 1.450 Euro. Die Abweichung betrug damit 32 Euro je Tonne beziehungsweise 2,3 Prozent. Das aktuelle Prognosemodell berücksichtigt unter anderem einen Geschäftsklimaindikator der OECD und die Preise der zur Regranulatherstellung benötigten Kunststoffabfälle. Die ausgewiesenen Szenarien beschreiben mögliche Preisverläufe; sie sind keine verbindlichen Preisvorhersagen.
Bild oben: Knappes Abgebot treibt die Preise. Abbildung: prognostica
