Der aktuelle rLDPE-Marktbericht von Recycario und prognostica (Ausgabe Oktober 2026) zeigt eine weitgehend stabile Preisentwicklung über den Sommer hinweg. Die Prognosemodelle bleiben treffsicher, doch strukturelle Schwächen auf der Inputseite und steigende geopolitische Spannungen werfen Fragen zur Versorgungssicherheit auf. Für Beschaffer bleibt Qualität das zentrale Steuerungskriterium.

Zwischen April und Oktober 2026 bewegten sich die Preise für naturfarbenes LDPE-Regranulat in einem vergleichsweise engen Korridor. Die Marktpreise schwankten leicht um die Baseline vom April, ohne signifikante Ausschläge nach oben oder unten. Der durchschnittliche APE-Wert (Average Percentage Error) lag unter 1 Prozent. Damit bestätigen die Marktdaten die hohe Prognosegenauigkeit des Modells. Sowohl Ober- als auch Untergrenzen des Prognosekorridors wurden in mehreren Monaten eingehalten. Der Markt zeigt eine klare Tendenz zur Preisstabilisierung trotz volatiler Rahmenbedingungen.

Ballenware bleibt teuer – geringe Bewegung trotz Angebotsschwankungen

Die Preise für LDPE-Ballenware (insbesondere K40) hielten sich im dritten Quartal stabil oberhalb der 400-Euro-Schwelle. Zwar kam es regional zu Schwankungen im Angebot, insbesondere infolge von Exportimpulsen und saisonalen Rückläufen bei Sammelmengen. Doch insgesamt blieben die Preisniveaus trotz höherer Inputvolumina überraschend fest. Der Markt für Ballenware bleibt angespannt, weil qualitative Engpässe fortbestehen. Sortenreine Qualitäten mit hoher optischer Reinheit bleiben knapp.

Differenzierung nach Qualität nimmt weiter zu

Immer deutlicher tritt die Spreizung zwischen hochwertigen und minderwertigen Regranulaten zutage. Kunden fordern enge Toleranzen bei MFR und Farbwerten, was zu höheren Selektionsanforderungen entlang der gesamten Kette führt. Während Standardware im unteren Preisband stagnierte, konnten hellfarbige, MFR-konstante Rezyklate ihren Preis verteidigen. Laut Analysten wird sich diese Differenzierung weiter verschärfen, da regulatorische Standards und Produktspezifikationen zunehmend präzise Vorgaben machen.

Prognose bis Oktober 2026: Bandbreite erneut verengt

Die neue Sechsmonatsprognose bis Oktober 2026 zeigt eine nochmals reduzierte Bandbreite. Zwischen Best- und Worst-Case liegen im rLDPE-Markt weniger als neun Prozentpunkte. Im Basisszenario wird eine Fortsetzung der Seitwärtsbewegung bei stabilem Volumen erwartet. Der Best Case geht von einer milden Herbstbelebung aus, getragen von witterungsbedingten Projekten in Bau und Logistik. Der Worst Case berücksichtigt eine mögliche Belastung durch steigende Energiepreise und reduzierte Inputverfügbarkeit infolge geopolitischer Spannungen.

Für Ballenware zeigen sich hingegen leicht konträre Tendenzen. Hier wird in allen Szenarien mit mindestens moderat steigenden Preisen gerechnet. Besonders im Worst Case wird eine Verknappung hochreiner Qualitäten prognostiziert, da Rücknahmemengen stagnieren und konkurrierende Verwertungswege zunehmen.

Handlungsempfehlung für den Einkauf

In einem scheinbar stabilen Marktumfeld wird Qualität zum entscheidenden Steuerungsparameter. Rezyklatverarbeiter sollten stabile Lieferverträge für hellfarbige Qualitäten mit konstanter MFR prüfen und auf Inputseite frühzeitig mit zertifizierten Lieferanten zusammenarbeiten. Wer zu lange auf kurzfristige Spotverfügbarkeit setzt, riskiert bei Nachfrageimpulsen Versorgungslücken oder Qualitätseinbußen. Die Prognosemodelle von Recycario und prognostica bleiben ein robustes Instrument zur Planung – sie entfalten ihren Wert vor allem bei proaktiver Nutzung.

Bild oben: Die Rezyklatmärkte stabilisieren sich leicht, bleiben aber volatil. Abbildung: prognostica

Von fil

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