Bei der Premiere der KPA Leipzig/Schkeuditz präsentieren Designer und Forschungsteams Projekte zu Recycling, biobasierten Werkstoffen und Leichtbau. Das neue Veranstaltungsformat bringt sie mit Kunststoffverarbeitern und Anwendern ins Gespräch.
Die Fachmesse KPA – Kunststoff Produkte Aktuell findet am 16. und 17. September 2026 erstmals im Globana Eventcampus in Schkeuditz bei Leipzig statt. Veranstalter Easyfairs ergänzt die Messe um ein Design-Café, in dem Materialauswahl, Konstruktion und Fertigung von Kunststoffprodukten diskutiert werden. Das Format richtet sich unter anderem an Unternehmen aus Automobilbau, Maschinenbau, Elektroindustrie, Medizintechnik und Konsumgüterindustrie.
Organisiert wird das Design-Café vom mitteldeutschen Kunststoffnetzwerk Polykum in Zusammenarbeit mit der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle, der Weißensee Kunsthochschule Berlin und dem Verband Deutscher Industrie Designer (VDID). Am Vormittag des 16. September stellen Designer, Studios und Forschungsteams ihre Arbeiten an zehn Caféhaustischen vor. Eine separate Anmeldung ist nach Angaben des Veranstalters nicht erforderlich. Der Besuch ist im Eintritt zur KPA enthalten.
Schuhmaterial aus alten Schuhen
Zu den vorgestellten Arbeiten gehört „FETZEN“ von Carla Wirths. Das Schuhkonzept basiert auf der Wiederverwendung von Material aus ausgedienten Schuhen. Schuh und Sohle bestehen aus einer recyclebaren TPU-Membran und werden miteinander verschweißt. Ergänzen lässt sich die Konstruktion beispielsweise um Schäfte, Verschlüsse oder Verstärkungen.
Die Gestaltung reduziert die Zahl unterschiedlicher Werkstoffe und Verbindungstechniken. Bei „FETZEN“ handelt es sich bislang um ein Design- und Kreislaufkonzept, nicht um ein industriell gefertigtes Serienprodukt.
Enzyme trennen Polyesterfasern
Sophia Reißenweber präsentiert mit dem „Break-up Lab“ ein Forschungsprojekt zum enzymatischen Recycling polyesterhaltiger Textilien. Das Enzym PHL7 soll Polyesterfasern zerlegen und damit eine Trennung von anderen textilen Bestandteilen ermöglichen. Die zurückgewonnenen Bestandteile werden in dem Projekt anschließend von Bakterien zu Polyhydroxyalkanoaten (PHA) verarbeitet.
Anhand zweier Kleidungsstücke untersucht Reißenweber, wie sich solche biotechnologischen Verfahren mit einer kreislauforientierten Produktgestaltung verbinden lassen. Auch hierbei handelt es sich um einen Forschungs- und Gestaltungsansatz. Eine industrielle Anwendung des dargestellten Prozesses ist bislang nicht belegt.
Lignin für Möbel- und Schuhkomponenten
Esther Kaya Stögerer und Jannis Kempkens, Mitgründer des Designstudios Circology, befassen sich mit der stofflichen Nutzung von Lignin. Im Forschungsprojekt „LignoLight“ arbeiten sie an der Weißensee Kunsthochschule Berlin gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut für Holzforschung WKI und weiteren Partnern an Materialien für Möbel- und Schuhkomponenten.
Untersucht werden unter anderem thermoplastische Lignincompounds, Schäume und biobasierte Lederimitate. Lignin fällt beispielsweise bei der Zellstoff- und Papierherstellung als Nebenprodukt an und wird bislang überwiegend energetisch verwertet. Ziel des Projekts ist es, den Rohstoff in modularen, trennbaren und recyclingfähigen Produkten einzusetzen.
Weitere Teilnehmer des Design-Cafés sind unter anderem Studio Westosteron, die Berliner Designagentur unyt, das JüngerKühn Studio und das WINT – Design & Research Lab. Das Design-Café findet am 16. September von 9 bis 12 Uhr im Foyer des Globana Eventcampus statt. Die KPA selbst ist am ersten Messetag von 9 bis 17 Uhr und am zweiten Tag von 9 bis 16 Uhr geöffnet.
Bild oben: Im Design Café der KPA in Leipzig/Schkeuditz präsentieren zehn Designer ausgewählte Projekte – darunter auch diese Kollektion „FETZEN“ aus recycelten Schuhen von Carla Wirths – sowie Produktideen und Konzepte, die sie mit den Besuchern diskutieren möchten. Foto: Carla Wirths
