Fraunhofer ISE und Öko-Institut haben rund 380 Wärmepläne für etwa 940 Kommunen ausgewertet. Bis 2045 sollen Wärmepumpen und Wärmenetze zusammen fast 80 Prozent des Wärmebedarfs decken. Unsicherheiten bestehen bei Gebäudesanierung, Biomasse und industrieller Prozesswärme.
Wärmepumpen und Wärmenetze sollen künftig den größten Teil der kommunalen Wärmeversorgung übernehmen. Zu diesem Ergebnis kommt die zweite Ausgabe der Studie „Kommunale Wärmeplanung in Deutschland“, die das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE gemeinsam mit dem Öko-Institut erstellt hat. Die Untersuchung beruht auf rund 380 Wärmeplänen, die etwa 940 Kommunen umfassen. Damit ist die Datenbasis deutlich breiter als bei der ersten Auswertung vom Mai 2025.
Die meisten neu einbezogenen Pläne wurden bereits auf Grundlage des Wärmeplanungsgesetzes erstellt. Die Auswertung zeigt zugleich, dass wesentliche Annahmen vieler Kommunen noch nicht ausreichend belastbar oder transparent sind. Dies betrifft insbesondere die erwarteten Sanierungsraten, die Verfügbarkeit von Biomasse und den künftigen Bedarf an industrieller Prozesswärme.
Wärmepumpen und Wärmenetze dominieren die Zielbilder
Die untersuchten Kommunen planen bis 2045 einen weitgehenden Ausstieg aus Erdgas und Heizöl. Wärmepumpen sollen dann rund 42 Prozent der Wärmeversorgung übernehmen, weitere 37 Prozent sollen über Wärmenetze bereitgestellt werden. Zusammen erreichen beide Technologien damit einen Anteil von knapp vier Fünfteln. Welche Lösung vor Ort überwiegt, hängt stark von der Siedlungsstruktur ab. In kleineren und mittleren Kommunen spielen dezentrale Wärmepumpen eine besonders große Rolle. Größere und dichter bebaute Städte setzen dagegen stärker auf leitungsgebundene Wärme.
„Die deutlich breitere Datenbasis bestätigt: Wärmepumpen und Wärmenetze bilden das Rückgrat der kommunalen Wärmewende“, sagt Marc Stobbe, Energieexperte am Öko-Institut. Die Ergebnisse könnten den Kommunen als Grundlage für den Ausbau der Strom- und Wärmenetze sowie für Entscheidungen über die Zukunft der Gasverteilnetze dienen.
Herkunft der Wärme bleibt häufig ungeklärt
Bereits heute verfügen 71 Prozent der untersuchten Kommunen über mindestens ein Wärmenetz. Bis 2030 soll dieser Anteil auf 91 Prozent und bis 2035 auf 95 Prozent steigen. Der Anteil der über Wärmenetze bereitgestellten Wärme soll sich in diesen Kommunen von derzeit etwa 15 Prozent auf 38 Prozent im Jahr 2045 erhöhen.
Allerdings enthalten mehr als die Hälfte der Wärmepläne keine Angaben dazu, aus welchen Quellen die Wärme für diese Netze künftig stammen soll. Wo entsprechende Informationen vorliegen, ist eine Kombination aus Wärmepumpen und biogenen Energieträgern besonders häufig vorgesehen. Je nach örtlichen Voraussetzungen kommen industrielle Abwärme und Geothermie hinzu.
„Die Ergebnisse zeigen zugleich, dass es keinen einheitlichen Transformationspfad gibt“, erklärt Dr. Jessica Thomsen, Projektleiterin am Fraunhofer ISE. Entscheidend seien lokale Wärmequellen, vorhandene Infrastrukturen, Siedlungsdichte und kommunale Strategien.
Hohe Sanierungsraten sind nicht gesichert
Über alle ausgewerteten Pläne hinweg soll der Endenergiebedarf für Wärme bis 2045 um rund 32 Prozent sinken. Zwei Drittel der untersuchten Kommunen gehen dafür von einer jährlichen Sanierungsrate aus, die über dem historischen Vergleichswert von ungefähr einem Prozent liegt.
Vielfach bleibt jedoch offen, mit welchen politischen, finanziellen und organisatorischen Maßnahmen diese höheren Raten erreicht werden sollen. Werden die erwarteten Einsparungen verfehlt, fällt der Wärmebedarf größer aus als angenommen. Das kann sich unmittelbar auf die notwendige Dimensionierung von Strom- und Wärmenetzen sowie auf Erzeugungsanlagen auswirken. Die Forschenden empfehlen deshalb, auch weniger ambitionierte Sanierungsverläufe in der Infrastrukturplanung zu berücksichtigen.
Geplanter Biomassebedarf übersteigt lokale Potenziale
Deutliche Abweichungen zeigen sich auch bei der Biomasse. In 63 Prozent der untersuchten Kommunen liegt der für 2045 geplante Verbrauch biogener Energieträger über dem jeweils ausgewiesenen lokalen Potenzial. Über alle berücksichtigten Pläne hinweg übersteigt der angenommene Verbrauch das Potenzial um fast 40 Prozent.
Einzelne Kommunen rechnen demnach damit, Biomasse aus anderen Regionen oder dem Ausland beziehen zu können. Wenn viele Wärmepläne auf denselben Importmöglichkeiten beruhen, können jedoch Nutzungskonkurrenzen entstehen. Hinzu kommt, dass die Kommunen Biomassepotenziale unterschiedlich definieren. Häufig bleibt unklar, welche Reststoffe, Flächen oder Holzsortimente erfasst und welche Nachhaltigkeitsanforderungen zugrunde gelegt wurden.
Prozesswärme zu wenig differenziert
Für rund zwei Drittel der untersuchten Kommunen liegen Angaben zum Wärmebedarf von Industrie, Gewerbe, Handel und Dienstleistungen vor. Ihr durchschnittlicher Anteil am gesamten Wärmebedarf beträgt dort etwa 27 Prozent. In stark industriell geprägten Kommunen kann er mehr als die Hälfte erreichen.
Dennoch unterscheiden die Pläne nur selten zwischen Raumwärme, Warmwasser und industrieller Prozesswärme. Dadurch fehlen Informationen über die erforderlichen Temperaturniveaus und die geeigneten Energieträger. Dies erschwert insbesondere die Einschätzung, in welchem Umfang Industrieunternehmen künftig Wasserstoff benötigen könnten.
In den kommunalen Zielbildern übernimmt Wasserstoff insgesamt nur eine ergänzende Funktion. Rund zwei Drittel der untersuchten Kommunen planen für 2045 keinen Einsatz. Wo Wasserstoff berücksichtigt wird, soll er überwiegend industrielle Prozesse versorgen oder Spitzenlasten in Wärmenetzen abdecken. Für die dezentrale Beheizung von Gebäuden wird er nur vereinzelt und häufig unter Vorbehalt eingeplant.
Bild oben: Endenergiebedarf Wärme nach Energieträgern der ausgewerteten kommunalen Wärmeplanungen für Wärme bis 2045. Abbildung: Öko-Institut & Fraunhofer ISE
