Vier Jahre lang haben 21 Partner aus fünf EU-Ländern untersucht, wie sich Kunststoffabfälle in der Grenzregion zwischen Deutschland, Belgien und den Niederlanden besser im Kreislauf führen lassen. Die Ergebnisse des Projekts Syschemiq zeigen: Neben leistungsfähiger Sortier- und Recyclingtechnik entscheiden auch Verpackungsdesign, Sammelsysteme und das Verhalten der Verbraucher über den Erfolg.
Gemischte Kunststoffabfälle gehören zu den schwierigsten Stoffströmen im Recycling. Unterschiedliche Polymere, Verbundmaterialien und nicht voneinander getrennte Verpackungsbestandteile erschweren die Sortierung und Aufbereitung. Nach Angaben des Fraunhofer-Instituts für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT gehen in der EU derzeit mehr als 85 Prozent dieser Abfälle für das Recycling verloren.
Im Forschungs- und Demonstrationsprojekt Syschemiq haben 21 Partner aus fünf EU-Staaten deshalb vier Jahre lang nach Lösungen gesucht, die technische und organisatorische Hürden gemeinsam berücksichtigen. Im Mittelpunkt stand die Dreiländerregion Deutschland, Belgien und Niederlande. Die dort entwickelten Konzepte sollen sich auch auf andere europäische Regionen übertragen lassen.
Das im September 2022 gestartete Projekt läuft bis Ende August 2026. Die Europäische Union fördert Syschemiq im Rahmen von Horizon Europe mit rund 9,6 Millionen Euro. Koordiniert wird es vom Chemelot Campus im niederländischen Geleen. CORDIS nennt Gesamtkosten von rund 11,2 Millionen Euro.
Von der Verpackung bis zur Recyclinganlage
Syschemiq betrachtete nicht nur einzelne Recyclingverfahren, sondern die gesamte Kette: vom Produktdesign über Sammlung und Sortierung bis zum mechanischen und chemischen Recycling. Entwickelt wurden unter anderem Konzepte für eine verbesserte Sortierung gemischter Kunststoffabfälle, Ansätze für das chemische Recycling und Strategien, mit denen regionale Kreislauflösungen auf einen größeren Maßstab übertragen werden können.
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Beteiligung von Kommunen, Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Bevölkerung. Die Ergebnisse sollen insbesondere am Brightlands Chemelot Campus weitergeführt und praktisch angewendet werden. Fraunhofer UMSICHT war innerhalb des Projekts vor allem für die Bereiche recyclinggerechtes Design, Erfassung von Kunststoffabfällen und das sogenannte City-Lab-Programm zuständig.
Verbraucherverhalten fließt in die Ökobilanz ein
Eine Besonderheit der Arbeiten ist die Verknüpfung von Verpackungsdesign, Verbraucherverhalten und Ökobilanzierung. Fraunhofer UMSICHT entwickelte dazu eine Studie und ein Werkzeug, mit dem sich berücksichtigen lässt, wie Verbraucher Verpackungen tatsächlich nutzen, trennen und entsorgen.
Untersucht wurden unterschiedliche Ausführungen und Entsorgungsszenarien für Joghurtverpackungen. Dabei zeigte sich unter anderem, dass größere Verpackungseinheiten den Materialeinsatz je Kilogramm Inhalt reduzieren können. Für die Recyclingfähigkeit empfehlen die Forschenden möglichst einfach aufgebaute Verpackungen, beispielsweise PP-Becher in Verbindung mit einer Deckelfolie aus demselben Kunststoff. Auch verständliche Trennhinweise und einheitliche Recyclingsymbole können die korrekte Entsorgung erleichtern. Das ist beispielsweise relevant, wenn Deckel und Becher aus unterschiedlichen Materialien bestehen und vor der Entsorgung voneinander getrennt werden müssen.
Sammlung und Sortierung bleiben entscheidend
Parallel analysierte Fraunhofer UMSICHT die Erfassung und Sortierung von Verpackungsabfällen in Deutschland. Die Bestandsaufnahme soll Ansatzpunkte liefern, um Stoffströme besser auf nachfolgende Recyclingverfahren abzustimmen. Im Rahmen eines City Labs wurden zudem Bürgerinnen und Bürger direkt einbezogen. Ergänzend entstanden Bildungsangebote für Schulen. Damit verknüpft das Projekt technische Entwicklungen mit der Frage, wie sich Wissen über richtige Abfalltrennung und recyclinggerechte Verpackungen vermitteln lässt.
Die Ergebnisse machen deutlich, dass grenzüberschreitendes Kunststoffrecycling mehr erfordert als zusätzliche Anlagenkapazitäten. Entscheidend ist, dass Verpackungshersteller, Sammelsysteme, Sortieranlagen und Recyclingunternehmen ihre Anforderungen aufeinander abstimmen. Nur wenn Materialströme in ausreichender Menge und Qualität bereitstehen, können mechanische und chemische Recyclingverfahren daraus wieder nutzbare Rohstoffe gewinnen.
Bild oben: In einem Podcast bei der Abschlussveranstaltung des Projekts Syschemiq spricht Anna Kerps (Fraunhofer UMSICHT) über die Möglichkeiten und Herausforderungen für ressourcenschonende Verpackungsgestaltung. Foto:
