Ein Forschungsverbund um FORVIA HELLA untersucht, wie sich Fahrzeugleuchten leichter reparieren, wiederverwenden und recyceln lassen. Das Projekt verbindet kreislauffähiges Produktdesign mit automatisierter Demontage, Sortierung und Recycling.
Autoscheinwerfer bestehen aus Kunststoffen, Elektronik und lichttechnischen Bauteilen. Ihre Konstruktion ist bislang vor allem auf Funktion, Lebensdauer und eine effiziente Montage ausgerichtet. Das im Juni 2026 gestartete Forschungsprojekt KOLLEKT soll nun untersuchen, wie sich auch Reparatur, Wiederverwendung und Recycling bereits bei der Entwicklung berücksichtigen lassen. Das geht aus Mitteilungen von Covestro und dem Projektkoordinator FORVIA HELLA hervor.
KOLLEKT steht für „Systemische Gestaltung von Kreislaufökosystemen in der Automobilindustrie zur Optimierung der End-of-Life-Wertschöpfung von Licht- und Elektronikprodukten“. Das Projekt läuft bis Ende Mai 2029 und wird vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt im Rahmen der Förderrichtlinie CircularGlowUp mit rund 4,37 Millionen Euro gefördert.
Neben FORVIA HELLA sind BMW, Covestro, Geba Kunststoffcompounds, das Fraunhofer IEM, Fraunhofer UMSICHT, die Universität Paderborn, die Hochschule Hamm-Lippstadt, das Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf und SW Maschinenservice beteiligt.
Kreislauffähigkeit beginnt bei der Konstruktion
Im Mittelpunkt steht ein Design-for-Circularity-Ansatz. Reparatur, Wiederverwendung, Wiederaufarbeitung und stoffliche Verwertung sollen bereits bei Konstruktion und Materialauswahl eingeplant werden. Welche dieser Strategien für ein Bauteil infrage kommt, hängt unter anderem von dessen Zustand, Funktion und verbleibender Lebensdauer ab.
Ein technischer Schwerpunkt ist der Aufbau einer flexiblen Demontagezelle. Roboter sollen Scheinwerfer möglichst automatisiert und zerstörungsarm zerlegen. Digitale Produktzwillinge und KI-basierte Datenverarbeitung sollen dabei Informationen über Konstruktion, Materialien und Verbindungstechniken bereitstellen. Ziel ist es, wiederverwendbare Komponenten zu erhalten und möglichst saubere Materialfraktionen für das Recycling zu gewinnen.
An die Demontage soll eine Sortierung anschließen, die Störstoffe entfernt und unterschiedliche Kunststofffraktionen trennt. Danach sind die Charakterisierung und Aufbereitung der Materialien sowie mechanische und teilweise chemische Recyclingverfahren vorgesehen.
Covestro untersucht im Projekt Werkstoffkonzepte und Recyclingwege für die in Fahrzeugleuchten eingesetzten Polycarbonate und Kunststoffblends. Entscheidend ist dabei nicht allein, ob sich die Kunststoffe zurückgewinnen lassen. Sie müssen anschließend erneut die hohen optischen, mechanischen und thermischen Anforderungen der Fahrzeugbeleuchtung erfüllen, wenn ein geschlossener Kreislauf entstehen soll.
Daten sollen die Kreislaufprozesse verbinden
Geplant ist zudem ein Datenökosystem, das Material-, Produkt- und Prozessinformationen über die verschiedenen Stufen der Wertschöpfungskette zusammenführt. Ein digitaler Ökosystem-Zwilling soll die Kreislaufprozesse ökologisch und wirtschaftlich bewerten. Untersucht werden auch Rückführungswege und mögliche Geschäftsmodelle für Reparatur, Wiederaufarbeitung und Recycling.
KOLLEKT baut auf dem Vorgängerprojekt NALYSES auf. Dort entstand ein reparierbarer und sortenrein recyclingfähiger Scheinwerfer-Demonstrator. Das neue Projekt erweitert diesen Ansatz um Demontage, Sortierung, Recycling und die Organisation einer übergreifenden Kreislaufkette.
Neue EU-Vorgaben für Fahrzeugkunststoffe
Zusätzliche Relevanz erhält das Vorhaben durch die neue Verordnung (EU) 2026/1738. Sie verlangt unter anderem eine leichtere Demontierbarkeit von Fahrzeugen und schreibt für Kunststoffe in neuen Fahrzeugtypen ab September 2032 mindestens 15 Prozent Post-Consumer-Rezyklat vor. Ab September 2036 steigt der Anteil auf 25 Prozent. Ein Teil davon muss aus Altfahrzeugen oder während der Nutzung ausgebauten Fahrzeugteilen stammen.
KOLLEKT soll seine Ansätze bis 2029 anhand von Demonstratoren erproben. Quantifizierte Zielwerte für Demontagezeiten, Recyclingausbeuten oder Kosten nennen die bisherigen Projektinformationen nicht. Ob daraus ein industriell und wirtschaftlich tragfähiger Kreislauf für Fahrzeugleuchten entsteht, bleibt daher noch offen.
Bild oben: KOLLEKT setzt auf dem Forschungsprojekt NALYSES auf und entwickelt dieses im Sinne eines Kreislaufansatzes weiter. Bild: FORVIA HELLA
