Eine Felduntersuchung bei ACCUREC liefert empirische Daten zum Rücklaufalter von Batterien aus leichten Verkehrsmitteln. Nach einer Korrektur um das starke Marktwachstum liegt der Mittelwert bei rund 10,9 Jahren. Für die Berechnung der künftigen EU-Sammelquoten ist diese Zeitspanne entscheidend.
Wie lange E-Bike-Akkus im Umlauf bleiben, bevor sie bei einem Recyclingbetrieb ankommen, ist bislang nur unzureichend mit Felddaten belegt. Eine Untersuchung am Standort der ACCUREC-Recycling GmbH in Krefeld liefert dazu nun einen ersten empirischen Anhaltspunkt. Sie beruht auf einer Bachelorarbeit von Niklas Schiffgen an der Hochschule Ruhr West, die in Zusammenarbeit mit ACCUREC entstand. An der Auswertung beteiligt waren außerdem Simon Bremer und Reiner Sojka von ACCUREC.
Das Ergebnis ist vor allem für die Umsetzung der EU-Batterieverordnung relevant. Für Altbatterien aus leichten Verkehrsmitteln, zu denen insbesondere E-Bike- und E-Scooter-Akkus gehören, gelten ab Ende 2028 und Ende 2031 Sammelziele von 51 beziehungsweise 61 Prozent. Die derzeitige Quote bezieht die gesammelte Masse auf die durchschnittlich in den drei vorangegangenen Jahren in Verkehr gebrachte Menge. Bei langlebigen Produkten in einem schnell wachsenden Markt kann diese Berechnung die tatsächliche Leistung der Sammelsysteme jedoch verzerrt darstellen: Stark steigende Verkäufe vergrößern sofort die Bezugsgröße, während die entsprechenden Altbatterien erst Jahre später anfallen.
Die EU-Batterieverordnung sieht deshalb eine Überarbeitung der Berechnungsmethode bis zum 18. August 2027 vor. Das Joint Research Centre (JRC) der Europäischen Kommission schlägt vor, die Quote künftig auf die tatsächlich zur Sammlung verfügbare Menge zu beziehen. Bei diesem als „Available for Collection“ bezeichneten Ansatz wird aus früheren Verkaufszahlen und einer angenommenen Lebensdauer zunächst berechnet, welche Batteriemenge in einem bestimmten Jahr voraussichtlich zu Abfall wird. Davon werden Mengen abgezogen, die das reguläre Sammelsystem etwa durch Export oder Weiterverwendung nicht erreichen.
1.937 Batterien ließen sich zuverlässig datieren

europäischen Absatz von E-Bikes im jeweiligen Jahr. Beide Kurven laufen weitgehend parallel: Der Rücklauf spiegelt zunächst die Absatzmengen der einzelnen Jahre, nicht die Haltbarkeit der Batterien. Grafik: Niklas Schiffgen
Für die Felduntersuchung wurden zwischen August und November 2025 insgesamt 44 Großbehälter am Krefelder ACCUREC-Standort vollständig sortiert. Das Untersuchungsteam erfasste 4.649 Batterien einzeln, darunter 4.631 Batterien aus leichten Verkehrsmitteln. Die Rückläufe stammten aus Sammelsystemen in den Niederlanden, Belgien, Dänemark und Finnland. Deutsche Batterien waren in der Stichprobe nicht enthalten.
Von jeder Batterie wurden das Typenschild und das Gehäuse fotografiert. Hersteller und Herstellungsdatum wurden anschließend per Texterkennung ausgelesen. Wenn das Datum nicht unmittelbar angegeben war, rekonstruierten es die Autoren aus der Seriennummer. In einem manuellen Abgleich erreichte das Verfahren Trefferquoten von 99,2 Prozent für den Hersteller und 99,5 Prozent für das Datum.
Für 1.937 Batterien, entsprechend 42 Prozent der untersuchten LMT-Batterien, ließ sich ein belastbares Herstellungsdatum bestimmen. Bei den übrigen 58 Prozent fehlten entsprechende Informationen oder die Typenschilder waren beschädigt. Die Auswertung setzt deshalb voraus, dass sich die nicht datierbaren Batterien in ihrer Altersstruktur nicht systematisch von den datierten Exemplaren unterscheiden. Mit den vorliegenden Daten lässt sich diese Annahme nicht überprüfen.
Gemessen wurde zudem nicht die technische Lebensdauer der Batteriezellen, sondern das Rücklaufalter: die Zeit von der Herstellung bis zur Annahme im Recyclingbetrieb. Darin enthalten sind neben der Nutzung auch mögliche Lagerzeiten in Haushalten und die Verweildauer im Sammelsystem. Für die Berechnung der verfügbaren Sammelmenge ist gerade diese Zeitspanne maßgeblich.
Marktwachstum drückt Rohwert
In der nicht bereinigten Stichprobe lag das mittlere Rücklaufalter bei rund 7,8 Jahren, der Median bei 7,3 Jahren. Die älteste erfasste Batterie war 19 Jahre alt. Dieser Rohwert lässt sich jedoch nicht ohne Weiteres als mittlere Lebensdauer einer Verkaufsgeneration interpretieren. Der europäische E-Bike-Markt ist innerhalb von etwa anderthalb Jahrzehnten stark gewachsen. Entsprechend stammen besonders viele der zurückgegebenen Akkus aus den absatzstarken jüngeren Jahrgängen. Allein 459 der datierten Batterien wurden 2021 hergestellt.

Schon ein kleiner Anteil früher Ausfälle erzeugt bei hohen Verkaufszahlen vergleichsweise viele Rückläufer. Zugleich befindet sich der größte Teil der Batterien aus den starken Verkaufsjahren 2020 bis 2022 noch in Gebrauch oder wird in Haushalten aufbewahrt. Die jüngeren Jahrgänge sind deshalb im Recycling zwar zahlenmäßig stark vertreten, aber noch längst nicht vollständig zurückgekehrt. Das senkt den unbereinigten Altersdurchschnitt.
Um diesen Effekt zu berücksichtigen, gewichteten die Autoren jede Batterie nach dem über drei Jahre geglätteten europäischen Absatz ihres Herstellungsjahres. Exemplare aus Jahren mit kleinen Verkaufsmengen erhielten dadurch ein höheres Gewicht als Batterien aus den jüngsten, absatzstarken Jahrgängen. Nach dieser Korrektur steigt das mittlere Rücklaufalter von rund 7,8 auf rund 10,9 Jahre.
Der korrigierte Wert liegt damit nahe an der vom JRC verwendeten Annahme von zehn Jahren. Er stützt diesen Referenzwert, kann ihn aber noch nicht abschließend bestätigen. Das Ergebnis hängt vom gewählten Gewichtungsverfahren ab; zudem sind frühe Herstellungsjahre in der Stichprobe nur mit wenigen Batterien vertreten.
Vereinfachte JRC-Tabelle bildet lange Rücklaufzeiten nicht ab
Die Untersuchung weist zugleich auf einen Widerspruch in den technischen Vorgaben des JRC hin. Für Staaten ohne eigene Daten enthält die Spezifikation eine vereinfachte Rücklauftabelle, die einem Referenzwert von zehn Jahren zugeordnet ist. Aus den darin enthaltenen Anteilen ergibt sich nach Berechnung der Autoren jedoch ein Mittelwert von nur etwa 5,3 Jahren. Außerdem endet die Tabelle nach 13 Jahren, obwohl die zugehörige Formel einen Zeitraum von 20 Jahren berücksichtigt.
Die Felddaten passen nicht zu dieser Begrenzung. Rund zwölf Prozent der ungewichteten und etwa 35 Prozent der gewichteten Rückläufe waren älter als 13 Jahre. Die Autoren empfehlen daher, die Tabelle zu überprüfen, ihren Mittelwert an den Referenzwert anzupassen und den betrachteten Zeitraum zu verlängern.
Lebensdauer verschiebt den Zeitpunkt der Rücklaufmengen

Welche Lebensdauer in der Berechnung angesetzt wird, verändert vor allem den Zeitpunkt, zu dem Altbatterien erwartet werden. In einer Vergleichsrechnung auf Grundlage des mittleren JRC-Nachfrageszenarios führt der unbereinigte Wert von rund 7,8 Jahren für 2028 zu einer um etwa 36 Prozent höheren Abfallmenge als die Annahme von zehn Jahren. Bis 2040 nähern sich die Varianten dagegen stark an. Die Lebensdauerannahme verändert somit weniger die langfristige Gesamtmenge als deren zeitliche Verteilung.
Für Sammelsysteme und Recyclingbetriebe ist dieser Unterschied erheblich. Nach der Vergleichsrechnung könnten 2040 EU-weit jährlich rund 22.000 bis 24.000 Tonnen E-Bike-Batterien zur Sammlung bereitstehen. Bei einer Sammelquote von 61 Prozent wären davon etwa 13.500 bis 14.700 Tonnen zu erfassen. Die Autoren betonen allerdings, dass es sich nicht um eine Prognose handelt. Die Ergebnisse hängen sowohl von der künftigen Marktentwicklung als auch von den noch nicht abschließend festgelegten Abzügen für Export und Weiterverwendung ab.
Breitere Datenbasis bleibt notwendig

Die Untersuchung liefert einen ersten Messwert aus dem laufenden Recyclingbetrieb, ihre Aussagekraft bleibt jedoch begrenzt. Die Daten stammen von einem einzigen Standort und aus vier nord- und westeuropäischen Sammelsystemen. Mehr als die Hälfte der Batterien ließ sich nicht datieren, und die Rückläufe eines Recyclingbetriebs bilden keine Zufallsstichprobe des europäischen Marktes.
Für eine belastbare Festlegung der Berechnungsmethode sind deshalb weitere Erhebungen an mehreren Recyclingstandorten, in zusätzlichen Ländern und über unterschiedliche Sammelwege erforderlich. Hilfreich wäre zudem, den technischen Zustand der Batterien beim Wareneingang zu erfassen. So ließen sich Nutzungsdauer, Lagerung und Transport- oder Sammelzeiten besser voneinander trennen.
Bis dahin spricht die Untersuchung dafür, bei E-Bike-Batterien mit einem Rücklaufalter von etwa zehn Jahren zu rechnen und Rohdaten aus wachsenden Märkten nicht ohne Korrektur zu verwenden. Eine vereinfachte Annahme von rund fünf Jahren lässt sich mit den vorliegenden Felddaten dagegen kaum vereinbaren.
Quellenhinweis
Grundlage des Artikels ist das Manuskript „Zehn Jahre bis zum Recycler“ von Niklas Schiffgen, Simon Bremer und Reiner Sojka. Die regulatorischen Angaben wurden mit der Verordnung (EU) 2023/1542 und der JRC-Publikation „Technical specification for a harmonised methodology to calculate appropriate collection rates for waste portable and Light Means of Transport batteries“ (JRC137863, 2024) abgeglichen.
Bild oben: Bereinigt um die stark gestiegenen Verkaufszahlen lag das mittlere Rücklaufalter der untersuchten E‑Bike-Batterien bei 10,88 Jahren. Grafik: KI-generiert
