Der österreichische Recyclingmaschinenhersteller hat das Geschäftsjahr 2025/26 trotz eines Umsatzrückgangs profitabel abgeschlossen. Langfristig erwartet die EREMA Gruppe einen steigenden Bedarf an Recyclingtechnik und investiert weiter in Forschung, internationale Standorte und neue Anwendungsfelder.
Die schwierige Lage der Kunststoffrecyclingbranche hat im vergangenen Geschäftsjahr auch die EREMA Gruppe getroffen. Das Unternehmen aus Ansfelden erzielte im Ende März abgeschlossenen Geschäftsjahr 2025/26 einen Umsatz von 235 Millionen Euro. Das waren 28 Prozent weniger als im Vorjahr. Dennoch konnte der Recyclingmaschinenhersteller das Geschäftsjahr nach eigenen Angaben profitabel abschließen.

Als Gründe für die schwache Marktentwicklung nennt EREMA hohe Energiekosten, eine geringe Nachfrage nach Rezyklaten und den zunehmenden internationalen Wettbewerb. Viele Kunden verschöben geplante Investitionen, erklärte Finanzvorstand Horst Wolfsgruber. Besonders europäische Industrieunternehmen litten unter einer Kostenstruktur, die ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit beeinträchtige, ergänzte CEO Manfred Hackl.
Europa bleibt wichtigster Markt
Die internationale Aufstellung ermöglicht es EREMA, die schwache Nachfrage in Europa teilweise durch Aufträge aus anderen Regionen auszugleichen. Europa bleibt nach Angaben des Unternehmens dennoch der größte Absatzmarkt. Gleichzeitig gewinnt das Kunststoffrecycling insbesondere in Asien und Amerika an Bedeutung. In Nord- und Südamerika wächst bislang vor allem das Recycling von Produktionsabfällen.
Auch in Afrika erwartet EREMA langfristig einen steigenden Bedarf. Dort dürfte die Nachfrage nach Kunststoffen in den kommenden Jahren besonders stark zunehmen. Damit wachse auch der Bedarf an geeigneten Sammel-, Sortier- und Recyclingstrukturen.
Die langfristige Einschätzung stützt das Unternehmen unter anderem auf den „Global Plastics Outlook“ der OECD. Danach könnte der weltweite Einsatz von Kunststoffen von rund 460 Millionen Tonnen im Jahr 2019 auf etwa 1,2 Milliarden Tonnen im Jahr 2060 steigen. Ohne zusätzliche politische und technische Maßnahmen würde der Anteil des recycelten Kunststoffabfalls nach dem zugrunde gelegten OECD-Szenario 2060 lediglich etwa 17 Prozent erreichen.
Anforderungen an Rezyklatqualität steigen
Um einen größeren Teil des künftigen Kunststoffbedarfs durch Sekundärrohstoffe zu decken, müssen nach Einschätzung von EREMA sowohl die Recyclingkapazitäten als auch die erreichbaren Materialqualitäten steigen. Die technische Herausforderung liege zunehmend darin, heterogene und schwankende Eingangsmaterialien zuverlässig zu verarbeiten.
„Die zentrale Frage der Zukunft ist, wie wir mehr und anspruchsvollere Materialströme in konstant hoher Qualität im Kreislauf halten können“, sagte Hackl. Dafür seien insbesondere eine leistungsfähige Filtration und Entgasung, eine ausreichende Dekontamination sowie eine stabile Prozessführung erforderlich. Zugleich gewinne die Energieeffizienz der Anlagen angesichts hoher Betriebskosten weiter an Bedeutung.
EREMA setzt dabei verstärkt auf die Verbindung unterschiedlicher Prozessschritte. Durch die Technologiepartnerschaft mit Lindner Washtech bietet die Gruppe Lösungen an, die Aufbereitung, Wäsche und Extrusion miteinander verbinden. Die Abstimmung der einzelnen Verfahrensstufen soll Durchsatz, Rezyklatqualität und Wirtschaftlichkeit verbessern.
Seit der Gründung im Jahr 1983 hat die EREMA Gruppe nach eigenen Angaben rund 9.200 Anlagen und Komponenten verkauft. Deren weltweite Verarbeitungskapazität beziffert das Unternehmen auf insgesamt mehr als 26 Millionen Tonnen Kunststoffabfälle pro Jahr.
Textilrecycling als veilversprechendes Geschäftsfeld
Neben etablierten Anwendungen im Verpackungs- und Produktionsabfallrecycling erschließt die Gruppe weitere Materialströme. Im Oktober 2025 beteiligte sich EREMA an dem australischen Unternehmen BlockTexx. Dessen Verfahren trennt Polyester und Cellulose aus textilen Mischgeweben und bereitet beide Bestandteile für eine weitere Nutzung auf.
Nach Angaben von EREMA ist die PET-Faserindustrie etwa dreimal so groß wie die PET-Flaschenindustrie. Gleichzeitig werde bislang nur rund ein Prozent des eingesetzten Polyesters recycelt. Das Textilrecycling bietet daher ein erhebliches Mengenpotenzial, stellt aufgrund von Mischgeweben, Farbstoffen und weiteren Bestandteilen jedoch hohe Anforderungen an Trennung und Aufbereitung.
Verlässliche Vorgaben sollen Investitionen ermöglichen

Für den weiteren Ausbau des Kunststoffrecyclings hält EREMA klare und langfristig verlässliche regulatorische Rahmenbedingungen für erforderlich. Vorgaben wie die europäische Verpackungsverordnung PPWR und die geplanten Anforderungen an Altfahrzeuge könnten zusätzliche Nachfrage nach Rezyklaten und Recyclingtechnik schaffen.
Entscheidend sei jedoch eine einheitliche Umsetzung, betonte Hackl: „Ohne verlässliche Umsetzung wird nicht investiert. Wir brauchen ein einheitliches System, um Rezyklate attraktiver zu machen.“ Nur dann könne sich Kunststoffrecycling dauerhaft als Teil der Rohstoffversorgung etablieren.
Neben Europa bauen auch China und Indien ihre Recyclingwirtschaft aus. EREMA ist seit rund drei Jahrzehnten in beiden Märkten aktiv. Eine eigene Niederlassung in Shanghai besteht seit 2001. Im Februar 2026 eröffnete die Gruppe gemeinsam mit Lindner Washtech EREMA India. Weitere Niederlassungen befinden sich in Nordamerika, Südafrika und Thailand.
Trotz der derzeit schwachen Investitionsnachfrage hält EREMA daher an der Weiterentwicklung seiner Recyclingtechnologien und am Unternehmensstandort Österreich fest. Das erwartete Wachstum des weltweiten Kunststoffbedarfs eröffnet der Recyclingtechnik langfristig erhebliche Marktchancen – vorausgesetzt, Rezyklate werden qualitativ, wirtschaftlich und regulatorisch in die Lage versetzt, einen größeren Anteil der Primärrohstoffe zu ersetzen.
Bild ganz oben: Manfred Hackl (CEO; r.) und Horst Wolfsgruber (CFO) führen die EREMA Gruppe durch ein herausforderndes Marktumfeld. Trotz rückläufiger Investitionen in der Kunststoffrecyclingbranche schloss das Familienunternehmen das Geschäftsjahr 2025/26 profitabel ab. Foto: EREMA Group
