Die Preise für rLDPE-Filmregranulat sind im ersten Halbjahr deutlich gestiegen. Gleichzeitig verteuerte sich die als Ausgangsmaterial benötigte K40-Ballenware noch stärker. Für Dezember reicht der von Recycario und Prognostica berechnete Szenariokorridor von minus 6,1 bis plus 2,8 Prozent gegenüber dem Juni-Niveau.

Naturfarbenes beziehungsweise transparentes rLDPE-Filmregranulat kostete im Juni 2026 im europäischen Durchschnitt 1.475 Euro je Tonne. Das geht aus der aktuellen Regranulatpreisprognose des Recycario Data Science Instituts für wirtschaftliches Kunststoffrecycling hervor. Im Januar hatte der Preis noch bei 1.345 Euro je Tonne gelegen. Innerhalb eines halben Jahres verteuerte sich das Material damit um 130 Euro beziehungsweise knapp 9,7 Prozent.

Allein im zweiten Quartal stieg die von Recycario ermittelte Notierung von 1.415 Euro je Tonne im April über 1.450 Euro im Mai auf 1.475 Euro im Juni. Die Auswertung stützt sich auf Angebots- und Transaktionspreise europäischer Handelsplattformen.

Handelsmengen gehen zunächst zurück

Der Preisanstieg ging nicht mit einer entsprechend höheren Handelsaktivität einher. Auf einem von Recycario ausgewerteten deutschen Onlineportal mit europäischer Reichweite wurden im Juni knapp 800 Tonnen rLDPE-Regranulat gehandelt. Das war etwa halb so viel wie im Mai. Auch das Handelsvolumen des gesamten zweiten Quartals lag dort deutlich unter dem Wert der ersten drei Monate des Jahres.

Die Zahlen bilden nicht den gesamten europäischen Markt ab, weisen aber auf eine zurückhaltendere Beschaffung hin. Zum Ende des ersten Halbjahres standen damit vergleichsweise hohe Regranulatpreise einer deutlich niedrigeren Handelsaktivität gegenüber. Nach einer noch vorläufigen Einschätzung des Instituts sollen die Mengen im Juli wieder angezogen haben. Gleichzeitig deutete sich aufgrund niedrigerer Primärkunststoffpreise eine Abschwächung der rLDPE-Notierungen an. Die abschließenden Juli-Daten lagen bei der Erstellung des Berichts noch nicht vor.

K40-Ballenware verteuert sich um 20 Prozent

Noch ausgeprägter war die Entwicklung beim Ausgangsmaterial. Der europäische Durchschnittspreis für K40-Ballenware stieg von 375 Euro je Tonne im Januar auf 450 Euro im Juni. Die zu Ballen gepressten LDPE-Folienabfälle verteuerten sich damit innerhalb von sechs Monaten um 20 Prozent. Allein gegenüber Mai erhöhte sich der Preis um weitere 20 Euro je Tonne.

Die regionalen Unterschiede sind erheblich. Für den deutschen Spotmarkt nennt der Bericht im Juni einen Wert von 616 Euro je Tonne. Bei regelmäßigen Lieferbeziehungen lag die Notierung dagegen bei rund 370 Euro. In Großbritannien wurden 499 Euro, in Polen 385 Euro und in Italien 360 Euro je Tonne ermittelt. Spotangebote und längerfristige Lieferbeziehungen lassen sich allerdings nur eingeschränkt miteinander vergleichen.

Nach Einschätzung von Recycario konnten Recycler die gestiegenen Beschaffungskosten nicht vollständig über höhere Regranulatpreise ausgleichen. Ein unmittelbarer Rückschluss auf die tatsächlichen Margen ist aus den beiden Preisreihen allein zwar nicht möglich. Neben der Materialausbeute müssen unter anderem Sortier-, Wasch-, Energie- und Personalkosten berücksichtigt werden. Die deutlich stärkere prozentuale Verteuerung der Ballenware zeigt jedoch den wachsenden Kostendruck auf der Inputseite.

Exporte verringern das verfügbare Material

Als einen Grund für die hohen Ballenpreise nennt der Bericht die begrenzte Verfügbarkeit geeigneter Folienabfälle. Hinzu kommen Materialexporte und die energetische Verwertung recyclingfähiger Kunststoffabfälle. Für Mai 2026 verweist Recycario auf vom Basel Action Network ausgewertete britische Außenhandelsdaten. Demnach exportierte das Vereinigte Königreich rund 60.000 Tonnen Kunststoffabfälle. Etwa 20.000 Tonnen gingen in die EU, 18.000 Tonnen in die Türkei und rund 13.000 Tonnen nach Asien. Weitere 4.000 Tonnen wurden nach Schweden geliefert, wobei das Basel Action Network eine energetische Verwertung vermutet.

Die Daten umfassen allerdings Kunststoffabfälle des HS-Codes 3915 insgesamt und nicht ausschließlich LDPE-Folien oder K40-Ballenware. Sie zeigen daher die Größenordnung der Materialströme, erlauben aber keine genaue Aussage darüber, wie viel geeigneter Rohstoff dem europäischen rLDPE-Recycling tatsächlich entzogen wurde.

Beide Szenarien erwarten zunächst sinkende Preise

Für die Preisentwicklung bis Dezember hat Prognostica im Auftrag von Recycario ein Best- und ein Worst-Case-Szenario berechnet. Ausgangspunkt ist die Juni-Notierung von 1.475 Euro je Tonne. Als Best Case wird aus Sicht der Regranulathersteller eine Entwicklung mit höheren Verkaufspreisen bezeichnet.

Bis Ende des dritten Quartals gehen beide Szenarien zunächst von einer Abschwächung aus. Im Best Case liegt der rLDPE-Preis 1,2 Prozent unter dem Juni-Niveau, im Worst Case 2,6 Prozent darunter. Das Modell berücksichtigt damit die übliche sommerliche Nachfrageschwäche sowie den Preisdruck durch günstigere Primärkunststoffe. Im vierten Quartal laufen die Szenarien auseinander. Im Best Case könnte der Preis bis Dezember gegenüber Juni um 2,8 Prozent steigen. Voraussetzungen wären weiterhin vergleichsweise hohe Primärmaterialkosten, eine begrenzte europäische Primärproduktion und eine robuste Nachfrage nach hochwertigen Rezyklaten.

Im Worst Case ergibt sich bis Dezember ein Rückgang um 6,1 Prozent. Dieses Szenario wird wahrscheinlicher, wenn Kunststoffverarbeiter zunächst ihre Lagerbestände abbauen und ab September größere Mengen günstiger Primärware nach Europa gelangen. Eine weiterhin verhaltene Industriekonjunktur würde den Preisdruck zusätzlich verstärken.

PPWR wirkt 2026 noch nicht über verbindliche Quoten

Als möglichen strukturellen Markttreiber berücksichtigt der Bericht auch die europäische Verpackungsverordnung PPWR, die seit dem 12. August 2026 grundsätzlich anzuwenden ist. Kurzfristig stehen für die Unternehmen vor allem Konformitätsnachweise, Kennzeichnung und organisatorische Anforderungen im Vordergrund.

Die verbindlichen Mindestrezyklatanteile für Kunststoffverpackungen greifen dagegen erst ab 2030. Für das laufende Jahr ist deshalb noch kein unmittelbarer Mengendruck durch die Quoten zu erwarten. Vorbereitende Beschaffungs- und Investitionsentscheidungen könnten die Nachfrage nach dokumentierten und für Verpackungen geeigneten Rezyklaten dennoch bereits früher stützen.

Ölpreis und Primärkunststoffe bleiben entscheidend

Das Prognosemodell berücksichtigt neben den Preisen der Kunststoffabfälle einen Geschäftsklimaindikator der OECD und den Preis für Rohöl der Sorte Brent. Veränderungen am Ölmarkt wirken zunächst auf petrochemische Vorprodukte und Primärpolymere. Mit zeitlicher Verzögerung beeinflussen sie auch die Energie- und Prozesskosten der Recycler. Recycario und Prognostica weisen die Ergebnisse ausdrücklich als Szenarien und nicht als sichere Preisvorhersage aus. Für eine im Dezember 2025 erstellte Prognose hatte das Modell für Juni 2026 im oberen Szenario einen rLDPE-Preis von 1.428 Euro je Tonne berechnet. Der später ermittelte Wert lag mit 1.475 Euro um 47 Euro höher. Ein einzelner Vergleich erlaubt noch keine umfassende Bewertung der Prognosegüte, zeigt aber die Größenordnung der damaligen Abweichung.

Für die weitere Marktentwicklung bleibt vor allem das Verhältnis zwischen Regranulat- und Primärkunststoffpreisen entscheidend. Während günstige Primärimporte die rLDPE-Notierungen belasten könnten, begrenzen knappe und teure Folienabfälle den Spielraum der Recycler für Preissenkungen.

Bild oben: Die Preise für rLDPE-Filmregranulat sind im ersten Halbjahr deutlich gestiegen. Gleichzeitig verteuerte sich die als Ausgangsmaterial benötigte K40-Ballenware noch stärker. Grafik: Recycario

 

Von Philipp

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