Fichtenholz wird zur Mangelware, Fachkräfte sind knapp. Schütt Holzbau stellt auf der NordBau 2026 Antworten vor: einen komplett aus Holz gefertigten Messestand und Produktlösungen, die Modulbau und Nachhaltigkeit kombinieren. Ein Gespräch mit Lukas Ramm über Brettschichtholz, Vorurteile beim Brandschutz und die Zukunft des Rohstoffs Holz.
Der Messestand der Gebr. Schütt KG (GmbH & Co.) auf der NordBau 2026 ist komplett aus Holz gefertigt. Das ist kein Zufall. Lukas Ramm, Zimmermann und Vertriebsmitarbeiter des Unternehmens, erklärt die Botschaft: „Den haben wir auch selber gefertigt, um den Leuten nahezubringen, was wir aus Holz alles machen können, wie cool dieser Rohstoff ist.”
Schütt Holzbau ist eines der größeren Unternehmen der norddeutschen Holzbaubranche und fertigt Produkte, die vom Rohstoff Holz bis zur verpackten Baukomponente reichen. Das Unternehmen hat seinen Betrieb in Landscheide / Flethsee in Schleswig-Holstein, etwa 20 Minuten von Itzehoe entfernt. Dort ist unter anderem eine neue Produktionshalle entstanden, die neben klassischen Holzrahmenbauwänden auch ganze 3D- Wohn- und Gewerbemodule vorherstellt.
Brettschichtholz: Der klassische Weg
Das Kernprodukt von Gebr. Schütt ist Brettschichtholz – einzelne Holzlamellen, die übereinander mit Leim geklebt werden. Der dabei verwendete Leim zeichnet sich durch vorteilhafte Eigenschaften im Hinblick auf Gesundheit und Verträglichkeit aus. Das Verfahren ermöglicht es, Querschnitte herzustellen, die für modernen Holzbau in größeren Dimensionen verwendet werden können.
Das klassische Material ist dabei Fichte – eine Holzart, die vielen bekannt ist und aus der ein großer Teil des deutschen Holzbaus besteht. Daneben arbeitet Schütt Holzbau mit anderen Nadelhölzern wie Kiefer und Lärche. Lärche hat dabei Vorteile in der Witterungsbeständigkeit und wird daher für Außenbereiche bevorzugt.
Pappel als Alternative: Die Frage der Rohstoffe

Ein bemerkenswerter Schritt ist die Verarbeitung von Pappelholz. Lange galt Pappel als Material, das „man in den Ofen schmeißt” – nicht als Baustoff. Ramm sieht hier jedoch einen notwendigen Wandel: „Uns gehen die Rohstoffe langsam aus und die Fichtenwälder werden immer weniger, dass wir sagen, wir versuchen umzusteigen und nehmen auch andere Laubhölzer mit ins Sortiment.”
Derzeit sei die Preissituation noch nicht kritisch, aber aus einer langfristigen Perspektive wirke sich die Rohstoffverknappung aus. Ramm, der als „Jüngerer” mit Mitte 20 neu bei Schütt Holzbau eingestiegen ist, denkt in Zeiträumen von 20 bis 25 Jahren.
Brandschutz: Zwischen Vorurteil und Realität
Ein zentrales Vorurteil im norddeutschen Raum betrifft den Brandschutz von Holzbau. Im süddeutschen Raum ist Holzbau etablierter; im Norden halten sich hartnäckig Bedenken. Ramm korrigiert diesen Eindruck: „Holzbau bedeutet keineswegs Abstriche beim Brandschutz. Auch mit Holz können wir die erforderlichen Feuerwiderstandsklassen sicher und gezielt erfüllen. So werden unsere Brettschichtholzbinder stets mit der Eigenschaft F30 gefertigt.”
F30 ist eine europäische Feuerwiderstandsklasse, die bedeutet, dass die Bauteile 30 Minuten lang eine Brandlast tragen können. Schütt erfüllt diese Anforderung systematisch. Auch die neuen Pappelprodukte werden derzeit in dieser Hinsicht getestet. Ramm fasst zusammen: „Die Anforderungen, die an uns gestellt werden halten wir selbstverständlich auch ein. ”
Modulbau und Vorfertigung: Schneller bauen
Eine wesentliche Innovation liegt in der Vorfertigung. Schütt Holzbau hat zwei Produktionslinien etabliert:
Büro-, Badezimmer- und Wohnungsmodule in 3D: Diese sind komplett fertige 3-D Module, die auf die Baustelle geliefert werden. Was normalerweise vor Ort zusammengestellt wird – Fenster, Trockenbau, Sanitäranlagen – erfolgt in der Produktionshalle unter kontrollierten Bedingungen. Dies ermöglicht es, u. a. Holzfeuchte garantiert einzuhalten und gleichzeitig die Montage vor Ort zu beschleunigen.
Holzrahmenbauwände: Die zweite Produktionslinie ist eine vollautomatisierte Abbundanlage, die durch die gesamte Halle läuft. Das System arbeitet maschinell; eine kleine Belegschaft bedient die Maschine und kontrolliert die Qualität.
Der Aufbau dieser Wände ist simpel und standardisiert: Ein Holzständerwerk (üblicherweise KVH, kann aber auch Brettschichtholz sein), in den Zwischenräumen wird Dämmung eingeblasen, außenseitig kommt eine DHF- oder DWD-Platte, innen wird mit OSB beplankt und luftdicht verklebt – auch an den Fenstern und Laibungen. Ramm beschreibt den Prozess als schnell und skalierbar: „Das geht da auch schon recht schnell in gewissen Größen, so wie es der Transport möglich macht.”
20–30 Jahre bewährte Praxis
Holzrahmenbauwände sind eine bewährte Bauweise. Ramm schätzt die Betriebsdauer solcher Komponenten auf 20 bis 30 Jahre – und sie sind noch älter. Sie werden für diverse Aufgaben eingesetzt: Wohngebäude, Bürogebäude, Anbauten und Bestandssanierungen.
Holzbau auf der NordBau 2026
Die NordBau 2026 bietet erstmals eine eigene Holzbauhalle – ein Zeichen der Marktbedeutung. Ramm nutzt dies, um die Kollegenschaft zu beobachten: „Und auch neue Sachen, die ich so vorher auch noch nicht gesehen habe. Und als gelernter, junger, interessierter Zimmermann, jetzt ja Vertriebler, ist es schon schön zu sehen, dass auch andere Leute sich wirklich Gedanken machen, was man mit diesem Rohstoff alles anstellen kann.”
Die Messe illustriert einen Trend: Der Holzbau wird im Norden etablierter. Das ist insofern bedeutsam, als dass der regionale Fachkräftemangel im Baugewerbe und die Frage nach Rohstoffverfügbarkeit Holzbau neu attraktiv machen.
Wasserschutz und Langzeitbeständigkeit
Ein technisches Detail kommt mehrfach vor: Holz ist feuchteempfindlich. Die modernen Verfahren – Holzrahmenbau mit Wasserdampfbremse, Modulbau mit Vorfertigung – reduzieren dieses Risiko erheblich. Ramm deutet das an: „Holz ist ja immer sehr feuchteanfällig, aber durch die Techniken, die wir durch den Holzrahmenbau haben und durch den Modulbau, kann man da schon sehr viel machen.”
Das ist ein entscheidender Punkt: Holzbau ist technisch gelöst. Die Fragen sind heute eher wirtschaftlich und rohstoffbezogen als technisch grundlegend.
Bild ganz oben: Lukas Ramm, Zimmerer und Vertriebsmitarbeiter bei Schütt. Foto: Circular Technology
