In Deutschland fielen 2024 insgesamt 23,1 Millionen Tonnen gefährliche Abfälle an. Der Zuwachs entfiel fast vollständig auf Bau- und Abbruchabfälle sowie auf Abfälle aus Behandlungsanlagen. Das Aufkommen gefährlicher Abfälle in Deutschland ist 2024 um 2,4 Prozent beziehungsweise 0,5 Millionen Tonnen auf 23,1 Millionen Tonnen gestiegen. Im Jahr 2023 war mit 22,5 Millionen Tonnen der niedrigste Stand seit 2015 erreicht worden, wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilt.
Gefährliche Abfälle weisen Eigenschaften auf, die Menschen oder Umwelt gefährden können. Sie können beispielsweise brandfördernd, krebserregend oder reizend sein. Für ihre Entsorgung müssen Begleitscheine geführt werden. Zudem sind spezielle Entsorgungswege und -verfahren vorgeschrieben, die eine sichere und umweltverträgliche Zerstörung der enthaltenen Schadstoffe gewährleisten sollen.
Zwei Abfallgruppen erklären fast den gesamten Zuwachs
Bau- und Abbruchabfälle bildeten wie in den Vorjahren die größte Gruppe. Ihre Menge stieg von 8,6 Millionen Tonnen beziehungsweise 38,4 Prozent des Gesamtaufkommens im Jahr 2023 auf 8,9 Millionen Tonnen beziehungsweise 38,8 Prozent im Jahr 2024.
Die Detaildaten beziffern den Zuwachs auf 303.100 Tonnen. Besonders stark nahmen Boden und Steine mit gefährlichen Stoffen zu: Ihre Menge erhöhte sich um 187.800 Tonnen auf 2,29 Millionen Tonnen. Bei kohlenteerhaltigen Bitumengemischen waren es 122.700 Tonnen mehr; ihr Aufkommen erreichte 3,52 Millionen Tonnen. Beide Abfallarten stellten zusammen rund 65 Prozent der gefährlichen Bau- und Abbruchabfälle. Die Menge belasteten Gleisschotters ging dagegen um 60.400 Tonnen beziehungsweise 26,4 Prozent auf 168.100 Tonnen zurück.
Die zweitgrößte Gruppe waren Abfälle aus Abfallbehandlungsanlagen, öffentlichen Abwasserbehandlungsanlagen sowie aus der Aufbereitung von Wasser für den menschlichen Gebrauch und für industrielle Zwecke. Dazu gehören unter anderem Abfälle aus Kläranlagen und Wasserwerken. Ihr Aufkommen nahm von 7,0 Millionen Tonnen beziehungsweise 31,0 Prozent im Jahr 2023 auf 7,2 Millionen Tonnen beziehungsweise 31,2 Prozent zu.
Auf Bau- und Abbruchabfälle sowie Abfälle aus Behandlungsanlagen entfielen zusammen 510.900 Tonnen zusätzliche Abfälle. Damit erklärten diese beiden Gruppen 95,6 Prozent des gesamten Nettoanstiegs. GENESIS-Tabelle nach Abfallarten
Verarbeitendes Gewerbe verzeichnet Rückgang
Nach Wirtschaftsbereichen betrachtet entfielen 9,4 Millionen Tonnen oder 40,9 Prozent der gefährlichen Abfälle auf den Abschnitt „Wasserversorgung; Abwasser- und Abfallentsorgung und Beseitigung von Umweltverschmutzungen“. Im Jahr 2023 waren es 9,1 Millionen Tonnen beziehungsweise 40,3 Prozent gewesen.
Zu diesem Wirtschaftsbereich zählen unter anderem Deponien und Anlagen zur Aufbereitung flüssiger oder wasserhaltiger Abfälle mit organischen Stoffen. Bei unsachgemäßer Entsorgung können solche Stoffe über das Abwasser in Gewässer und damit in die Umwelt gelangen.
Aus dem verarbeitenden Gewerbe stammten 4,5 Millionen Tonnen beziehungsweise 19,6 Prozent. Damit ging die Menge gegenüber 2023 zurück, als 4,9 Millionen Tonnen oder 21,5 Prozent erfasst worden waren. Innerhalb des verarbeitenden Gewerbes fielen gefährliche Abfälle insbesondere bei der Herstellung von Maschinen, Metallerzeugnissen und chemischen Erzeugnissen an. Zusammen erzeugten die beiden größten Wirtschaftsabschnitte weiterhin mehr als 60 Prozent des Gesamtaufkommens.
Sekundär erzeugte Mengen wachsen stärker
Bei 16,4 Millionen Tonnen beziehungsweise 71,0 Prozent handelte es sich um Abfälle von Primärerzeugern, in deren Betrieben sie erstmals anfielen. Diese Menge erhöhte sich gegenüber 2023 um 1,6 Prozent beziehungsweise 0,3 Millionen Tonnen. Weitere 6,7 Millionen Tonnen oder 29,0 Prozent wurden als sekundär erzeugte Mengen erfasst. Sie stammten aus Zwischenlagern oder von Entsorgungsbetrieben, bei denen die Abfälle nicht ursprünglich entstanden waren. Das Aufkommen nahm hier um 4,3 Prozent beziehungsweise ebenfalls 0,3 Millionen Tonnen zu.
Einen erheblichen Anteil daran hatten Abfälle aus Abfallbehandlungsanlagen: Von den 7,2 Millionen Tonnen dieser Abfallgruppe waren 4,4 Millionen Tonnen sekundär erzeugt. Damit entfielen rund zwei Drittel aller sekundär erzeugten gefährlichen Abfälle auf diese Gruppe.
60 Prozent des Aufkommens in vier Bundesländern erfasst
Die Statistik weist für 2024 insgesamt 23.191 Abfallerzeuger aus. Nordrhein-Westfalen verzeichnete mit 6,1 Millionen Tonnen rund 26,4 Prozent der Gesamtmenge. Zusammen entfielen auf Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Bayern und Baden-Württemberg etwa 60 Prozent des deutschen Aufkommens. Die Länderwerte geben allerdings nicht ausschließlich den ursprünglichen Entstehungsort wieder, da sie auch Mengen aus Zwischenlagern und Entsorgungsbetrieben enthalten. Besonders ausgeprägt war dieser Effekt in Sachsen-Anhalt: Von den dort erfassten 1,3 Millionen Tonnen stammten 247.600 Tonnen von Primärerzeugern. Rund 81 Prozent wurden als sekundär erzeugte Mengen ausgewiesen.
Bild oben: Die größte Fraktion der gefährlichen Abfälle kommt aus dem Bau- und Abbruchsektor. Foto: Pixabay
