Die deutsche Kunststoffverarbeitung hat 2025 weiter an Umsatz verloren, besonders bei technischen Kunststoffprodukten. Für die Kreislaufwirtschaft ist das mehr als eine Konjunkturmeldung. Der neue Marktbericht von TecPart zeigt, wie schmal die ökonomische Basis derzeit ist, auf der Rezyklateinsatz, recyclinggerechtes Design und neue regulatorische Vorgaben umgesetzt werden sollen.
Die Zahlen sind eindeutig. Laut TecPart sank der Umsatz der Kunststoffverarbeitung in Deutschland 2025 um 0,9 Prozent auf 69,0 Milliarden Euro. Am stärksten traf es die technischen Teile. In diesem Segment fiel der Umsatz von 19,8 auf 19,3 Milliarden Euro, also um 2,4 Prozent. Auch die verarbeitete Menge ging zurück, von 3,02 auf 2,98 Millionen Tonnen. Die Tabelle im Marktbericht zeigt damit, dass ausgerechnet jenes Segment weiter schwächelt, das für Mobilität, Elektroindustrie, Maschinenbau und Medizintechnik besonders relevant ist.
Technische Kunststoffteile stehen im Zentrum vieler künftiger Kreislaufanforderungen, etwa dort, wo Rezyklatquoten, Materialtransparenz und Design-for-Recycling an Bedeutung gewinnen. Wenn gerade dieses Segment ökonomisch unter Druck steht, wird die Umsetzung zirkulärer Anforderungen nicht einfacher, sondern schwieriger.
Rezyklate wachsen, aber nur im Trippelschritt
Besonders aufschlussreich ist der Blick auf den Rezyklateinsatz. Die Rezyklatmenge stieg 2025 laut Marktbericht von 2,40 auf 2,42 Millionen Tonnen. Die Rezyklatquote erhöhte sich von 19,5 auf 19,7 Prozent. Das ist ein Zuwachs, aber eben nur ein sehr kleiner. Während Politik und Industrie seit Jahren über geschlossene Kreisläufe, Rezyklatmärkte und zirkuläre Produktanforderungen sprechen, zeigt die Realität der Verarbeitung bislang vor allem langsame Bewegung.
Einerseits bleibt der Rezyklateinsatz auf Wachstumskurs. Andererseits reicht das Tempo bislang nicht aus, um von einem echten Skalierungsschub zu sprechen. Wer Kreislaufwirtschaft im industriellen Maßstab erwartet, bekommt in diesen Zahlen eher ein Bild gradueller Anpassung als eines strukturellen Durchbruchs.
Kernmärkte stabilisieren sich, aber ohne Investitionswucht
TecPart beschreibt 2025 als Phase der Stabilisierung ohne belastbare Trendwende. Im Management Summary heißt es ausdrücklich, es gebe keine belastbare Basis für Investitionen. Der Auftragsbestand sei seit mehr als 24 Monaten zu niedrig, um einen breiten Investitionsimpuls auszulösen. Zugleich berichten die Autoren von vorsichtiger Stabilisierung in den Kernmärkten. In der Automobilindustrie sinkt der Pessimismus leicht, in Elektro und Elektronik sowie im Maschinenbau verbessern sich die Erwartungen, während die aktuelle Lage überwiegend negativ bleibt.
Das ist für die Kreislaufwirtschaft ein entscheidender Punkt. Denn der Umbau hin zu mehr Recyclingfähigkeit, höherem Rezyklateinsatz und besserer Materialführung ist investitionsintensiv. Er verlangt neue Werkstofffreigaben, qualitätsgesicherte Beschaffung, Umstellungen in Konstruktion und Verarbeitung sowie oft auch digitale Systeme für Nachweis und Rückverfolgbarkeit. Wenn Unternehmen gleichzeitig mit schwacher Nachfrage, hohen Energiekosten und engem Kostendruck arbeiten, geraten diese Investitionen leicht ins Hintertreffen.
Kreislaufwirtschaft bleibt industriepolitische Aufgabe
TecPart argumentiert, dass Kreislaufambitionen für Fahrzeuge und künftig auch für Elektro- und Elektronikprodukte nur dann umsetzbar seien, wenn die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen stimmen. Genannt werden vor allem wettbewerbsfähige Energiepreise, weniger Bürokratie und stärkere Anreize für den Rezyklateinsatz.
Hinzu kommt ein weiterer Aspekt. Die Pressemitteilung verweist darauf, dass geopolitische Unsicherheiten die Preise für Primärkunststoffe erhöhen könnten. Dadurch könnten Rezyklate wirtschaftlich attraktiver werden, insbesondere für Compoundeure und Rezyklathersteller, wenn Verarbeiter Materialumstellungen vorziehen und Abnahmemengen verstetigen. Das eröffnet Chancen für zirkuläre Rohstoffströme, bleibt aber an Bedingungen geknüpft. Preisvorteile allein reichen nicht. Verfügbarkeit, Qualität, Spezifikation und regulatorische Sicherheit müssen ebenfalls zusammenpassen.
Der eigentliche Befund
Der TecPart-Bericht zeigt, dass die Kreislaufwirtschaft in der Kunststoffverarbeitung nicht an fehlenden Zielen scheitert, sondern an einer zu schmalen ökonomischen Grundlage für ihre breite Umsetzung. Die Richtung stimmt, der Rezyklateinsatz steigt, und für 2026 sehen viele Unternehmen zumindest eine Bodenbildung. Aber die Daten machen ebenso klar, dass zwischen politischen Zirkularitätszielen und industrieller Realität noch immer eine spürbare Lücke liegt. Wer sie schließen will, muss nicht nur neue Pflichten definieren, sondern auch die Bedingungen verbessern, unter denen Verarbeiter tatsächlich investieren können.
Bild oben: Die Stimmung der Unternehmen hat sich verbessert, dennoch erwartet dsie Mehrheit weiter Stagnation. Grafik: TecPart
