Fahrzeuge, die selbst Solarstrom erzeugen, könnten einen wichtigen Beitrag zur Dekarbonisierung des Verkehrssektors leisten. Ergebnisse des europäischen Forschungsprojekt SolarMoves legen nahe, dass sogenannte Vehicle Integrated Photovoltaics (VIPV) – in Fahrzeuge integrierte Solarmodule – den Strombedarf und die Belastung des Stromnetzes erheblich senken können. Die Untersuchungen ergaben, dass ein PKW in Mitteleuropa im besten Fall bis zu 55 Prozent seines jährlichen Energiebedarfs selbst erzeugen kann; in Südeuropa können es bis zu 80 Prozent sein.

„Die Studie analysierte Daten von 23 unterschiedlichen Fahrzeugtypen – von kompakten Stadtautos bis hin zu schweren Lastkraftwagen – und kombinierte detaillierte Fahrzeug- und Fahrprofile mit Meteosat-Satellitendaten, sowie meteorologischen Daten aus Amsterdam und Madrid“ erklärte Christian Braun, Projektmitarbeiter und Wissenschaftler am Fraunhofer ISE. „Dafür wurden die Fahrzeuge mit Sensoren ausgestattet und Messdaten von 1,3 Millionen gefahrenen Kilometern ausgewertet.“

Bis zu 110 Kilowattstunden pro Tag möglich

Lieferwagen mit Fahrzeugintegrierter Photovoltaik, der Teil der Studien-Flotte war. Wie alle anderen Fahrzeuge ist er mit einem Sensor zur Erfassung der Einstrahlungsdaten ausgestattet. Foto: IM Efficiency

Besonders interessant ist die Technologie für den Logistiksektor. Lieferwagen, Lkw und Trailer bieten große Dachflächen und benötigen viel Energie für Antrieb, Kühlung, Heizung oder Hydraulik. Bei Elektro-Lkw kann VIPV die tägliche Reichweite laut Projekt um bis zu 15 Prozent erhöhen. Bei Trailern sind im Sommer bis zu 55 Kilowattstunden Solarstrom pro Tag möglich, mit Modulen an den Seitenwänden sogar 90 bis 110 Kilowattstunden.

Auch auf Systemebene könnte die Technologie Wirkung zeigen. Würden alle Neufahrzeuge in Europa zwischen 2024 und 2030 mit VIPV ausgestattet, könnte der Strombedarf aus dem Netz im Jahr 2030 um 15,6 Terawattstunden sinken. Das entspräche der Jahresproduktion von rund 2.200 Onshore-Windkraftanlagen mit je 3 Megawatt.

Das Konsortium empfiehlt deshalb, VIPV regulatorisch stärker zu berücksichtigen. Dazu zählen eine Aufnahme in das WLTP-Verfahren, steuerliche Anreize und ein europäischer Rahmen, der fahrzeugintegrierte Photovoltaik als erneuerbare Energiequelle anerkennt. Für Flottenbetreiber könnte die Technik vor allem dort attraktiv werden, wo große Fahrzeugflächen auf hohen Energiebedarf treffen.

Bild ganz oben: Insbesondere Lieferwagen, Lkw und Anhänger verfügen über viel Dachfläche und verbrauchen gleichzeitig viel Energie für Kühlung, Heizung und Hilfsaggregate. Integrierte Solarmodule kann für eine größere Reichweite, einen geringeren Dieselverbrauch und niedrigere Betriebskosten sorgen. Abbildung: IM Efficiency

Von fil