Eine Verbändestudie erfasst deutlich mehr Brandereignisse in Entsorgungsanlagen. Häufigste bekannte Ursache sind Lithium-Ionen-Batterien.

Die Zahl der Brandereignisse in den untersuchten Entsorgungsanlagen ist innerhalb von fünf Jahren deutlich gestiegen. Zwischen 2021 und 2025 haben sich die erfassten Ereignisse nahezu verdreifacht. Mehr als jede zweite Anlage war zuletzt von Bränden oder gefährlichen Hotspots betroffen.

Das geht aus der Studie „Brandereignisse in der Entsorgungswirtschaft“ hervor, die die Circular Metal Association (CMA) gemeinsam mit ASA, BDE, bvse und VKU in Auftrag gegeben hat. Grundlage ist eine bundesweite Umfrage unter 181 Anlagen für die Jahre 2021 bis 2025. Ergänzend wurden der aktuelle Forschungsstand und internationale Studien ausgewertet.

Lithium-Ionen-Batterien als häufigste bekannte Ursache

Wo die Ursache eines Brandes eindeutig festgestellt werden konnte, waren Lithium-Ionen-Batterien mit Abstand der häufigste Auslöser. Der Anteil der Brandereignisse, die auf solche Batterien zurückgeführt wurden, stieg der Studie zufolge zwischen 2021 und 2025 von rund 63 auf 73 Prozent.

Besonders betroffen sind Anlagen für Leichtverpackungen sowie Rest- und Gewerbeabfälle. Die Batterien gelangen vor allem über falsch entsorgte Kleingeräte, kurzlebige Konsumprodukte und Produkte mit fest verbauten Batterien in diese Stoffströme.

Zwischen 2020 und 2023 wurden laut Pressemitteilung mehr als 130.000 Tonnen Batterien nicht über die dafür vorgesehenen Sammelsysteme erfasst. Verbraucher erkennen entsprechende Produkte nach Angaben der Verbände häufig nicht als Elektroaltgeräte und entsorgen sie deshalb im Restmüll, in Verpackungsabfällen oder in anderen Stoffströmen.

Viele Brände entstehen vor der Aufbereitung

In fast der Hälfte der befragten Anlagen lag der überwiegende Entstehungsort der Brandereignisse im Jahr 2025 vor dem ersten Aufbereitungsaggregat. Genannt werden insbesondere die Anlieferung, Lager- und Bunkerbereiche sowie Sammelfahrzeuge.

Die Unternehmen haben nach Angaben der Studie in Brandfrüherkennung, Löschtechnik, betriebliche Abläufe und Schulungen investiert. Dadurch könnten sie einen großen Teil der Ereignisse beherrschen. Vollständig verhindern ließen sich die Brände jedoch nicht. Beschädigte Batterien können sich zeitverzögert und ohne erkennbare Vorwarnung entzünden. In Sammelfahrzeugen greifen die anlagentechnischen Schutzmaßnahmen nicht.

Schäden in dreistelliger Millionenhöhe

Für die 181 untersuchten Anlagen schätzt die Studie die volkswirtschaftlichen Schäden durch Brände mit Lithium-Ionen-Batterien als wahrscheinlicher Ursache zwischen 2021 und 2025 auf 200 bis 320 Millionen Euro. Das entspreche rund 80 Prozent der insgesamt erfassten Schäden von 250 bis knapp 400 Millionen Euro.

Berücksichtigt wurden neben unmittelbaren Sachschäden auch Kosten durch Betriebsunterbrechungen und Feuerwehreinsätze sowie Folgewirkungen entlang der Wertschöpfungskette. Die bundesweiten Schäden dürften nach Einschätzung der Studienautoren höher liegen, da die Umfrage nur einen Teil der Anlagen erfasst. Auswirkungen wie Entsorgungsengpässe wurden nicht beziffert.

Gleichzeitig berichten viele Betriebe von steigenden Versicherungsprämien, höheren Selbstbehalten und strengeren Auflagen. Teilweise zögen sich Versicherer bereits aus dem Sektor zurück. Für manche Anlagen stelle sich nach Kündigungen die Frage, ob sie künftig überhaupt noch versichert werden können. Andere müssten prüfen, ob sie die verlangten Prämien und Selbstbehalte wirtschaftlich tragen können.

„Gleichzeitig sind unsere Unternehmen und ihre Beschäftigten durch falsch entsorgte Lithium-Ionen-Batterien einem nicht hinnehmbaren Risiko ausgesetzt – beim Arbeitsschutz, beim Brand- und Anlagenschutz bis hin zur wirtschaftlichen Existenz der Betriebe“, sagt CMA-Geschäftsführer Guido Lipinski.

Verbände fordern stärkere Herstellerverantwortung

Die Studie kommt zu dem Schluss, dass ohne wirksame Gegenmaßnahmen mit einer schrittweisen Verschärfung der Lage zu rechnen ist. Die Entsorgungs- und Recyclingwirtschaft könne die Risiken zwar begrenzen. Sie entscheide jedoch nicht darüber, welche Produkte auf den Markt kommen, wie diese gestaltet sind und wie ihre Rückgabe organisiert wird.

Als notwendig nennt die Studie bürgernahe Rückgabesysteme, eine flächendeckende und verbraucherfreundliche Batteriesammlung, kontinuierliche Aufklärung sowie Produktanforderungen, durch die sich Batterien leichter entnehmen lassen.

Da sich Fehlwürfe nach Einschätzung der Autoren auch bei einer optimalen Sammlung nicht vollständig vermeiden lassen, hält die Studie außerdem einen herstellerfinanzierten Präventions- und Ausgleichsfonds für geeignet. Dieser könnte Aufklärungs- und Sammelmaßnahmen finanzieren, Investitionen in den Brandschutz unterstützen, Schäden bei fehlendem Versicherungsschutz abfedern und zur Stabilisierung der Versicherbarkeit beitragen. Volumen, Bemessung und rechtliche Zulässigkeit eines solchen Fonds wären vor seiner Einführung zu klären.

Die beteiligten Verbände fordern darüber hinaus, die Produktverantwortung konsequent anzuwenden und Hersteller an den Folgekosten batteriebedingter Brände zu beteiligen. Verbraucherinformation und Rückgabesysteme sollen gestärkt sowie Investitionen der Entsorgungsbranche in Sicherheit und Prävention anerkannt und gefördert werden. Weitere Forderungen betreffen eine einheitliche Brandstatistik, eine verbesserte Datenlage und die Weiterentwicklung der Herstellerverantwortung.

Auf nationaler und europäischer Ebene stehen dazu nach Angaben der Verbände wichtige Entscheidungen an. Dazu zählen ein mögliches Pfandsystem für Lithium-Ionen-Batterien und die Weiterentwicklung der Herstellerverantwortung.

Bild oben: In Sortieranlagen in Sammelfahrzeugen und auf Wertstoffhöfen kommt es immer öftre zu Bränden, die von Lithium-Ionen-Batterien ausgelöst werden. Abbildung: Circular Technology mit KI

Von Philipp

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