Das Freiburger Start-up EDENenergy entwickelt stationäre Stromspeicher aus gebrauchten Akkus von E-Scootern und E-Bikes. Ein erster Speicher mit 70 kWh Kapazität wurde bereits ausgeliefert. Die Technologie basiert auf einer Entwicklung des Fraunhofer ISE und ermöglicht die Weiterverwendung von Batterien ohne vorherige Demontage.
Jährlich werden in Deutschland nach Angaben des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE rund eine Million Akkus aus E-Bikes und E-Scootern vorzeitig entsorgt, obwohl sie häufig noch über einen erheblichen Teil ihrer ursprünglichen Speicherkapazität verfügen. Das Freiburger Start-up EDENenergy entwickelt deshalb modulare Industriespeicher, in denen gebrauchte Batterien aus der Mikromobilität weiterverwendet werden können.
Die drei Gründer Florian Bierwirth, Daniel Seeger und Hannes Kurzmann waren zuvor in der Abteilung Leistungselektronik des Fraunhofer ISE tätig. Ihre Technologie soll eine wesentliche Hürde bei der Zweitnutzung gebrauchter Batterien überwinden: die unterschiedlichen Bauformen, Zelltypen und Batteriemanagementsysteme.
Unterschiedliche Akkus miteinander kombinieren
Während Second-Life-Anwendungen für Elektroauto-Batterien bereits etabliert werden, erschwert die große Vielfalt der Akkus aus E-Bikes und E-Scootern deren Weiterverwendung. Die am Fraunhofer ISE entwickelte Leistungselektronik ermöglicht es, unterschiedliche Batteriespeicher miteinander zu verbinden und mit den einzelnen Modulen zu kommunizieren, ohne die Akkus zuvor zerlegen zu müssen.
„Sie erlaubt es, verschiedene Speicher zusammenzuschließen und eine Kommunikation mit verschiedenen Modulen aufzubauen, ohne dass dafür die Akkus zerlegt werden müssen“, erklärt Florian Bierwirth.
Für den Markteinstieg verwendet EDENenergy zunächst Batterien gleichen Typs, die unter anderem von größeren Flottenbetreibern stammen. Künftig sollen auch unterschiedliche Akkutypen gemeinsam betrieben werden können. Dafür müssen jedoch die Steckverbindungen, die Batteriemanagementsysteme und die Kommunikation jeweils angepasst werden. Langfristig hält Bierwirth einheitliche Kommunikationsprotokolle sowie gesetzliche Regelungen für die Zweitnutzung mobiler Batterien in stationären Anwendungen für notwendig.
Erster Speicher mit 112 gebrauchten Akkus

Mitte Oktober 2026 lieferte EDENenergy seinen ersten Industriespeicher an einen Kunden aus. Die Anlage verfügt über eine Kapazität von 70 kWh und besteht aus 112 gebrauchten E-Scooter-Akkus. Sämtliche Batterien wurden vor ihrem Einbau einer Eingangsprüfung unterzogen.
Mit dieser Speichergröße richtet sich das Unternehmen zunächst an mittelständische Betriebe, die bereits über eine Photovoltaikanlage verfügen, aber noch keinen Stromspeicher einsetzen. Weitere mögliche Anwendungen sind die Eigenverbrauchsoptimierung, die Reduzierung von Lastspitzen und der Stromhandel. Auch Stadtwerke kommen deshalb als potenzielle Kunden infrage.
Die ersten Untersuchungen der gebrauchten Batterien lieferten nach Angaben des Start-ups bessere Ergebnisse als erwartet. EDENenergy hatte bei der Planung mit einer verbleibenden Batteriekapazität von 80 Prozent gerechnet. Bei den ersten 350 getesteten Akkus lag die durchschnittliche Restkapazität teilweise deutlich über 90 Prozent.
Austauschbare Module verlängern die Nutzungsdauer
Ein wesentliches Merkmal des Speicherkonzepts ist der modulare Aufbau. Die einzelnen Batteriemodule werden kontinuierlich überwacht und können bei Bedarf ausgetauscht werden, ohne den Speicher außer Betrieb nehmen zu müssen.
Damit soll sich die Gesamtkapazität der Anlage auch über längere Zeiträume konstant halten lassen. Während bei konventionellen Batteriespeichern aufgrund der Alterung der Zellen nach zehn Jahren häufig nur noch 80 Prozent der ursprünglichen Kapazität garantiert werden, kann EDENenergy durch den Austausch einzelner Module die Kapazität von 70 kWh aufrechterhalten.
Die Batterien werden über ein Fernüberwachungssystem kontrolliert. Erreichen einzelne Module das Ende ihrer Nutzungsdauer, werden sie ersetzt und anschließend bei Partnerunternehmen recycelt. Auf diese Weise soll die Zweitnutzung die Lebensdauer der Batterien verlängern, bevor ihre Rohstoffe zurückgewonnen werden.
Größere Speicher und weitere Pilotprojekte geplant
EDENenergy plant, sein Angebot künftig auf Industriespeicher mit Kapazitäten von bis zu 300 kWh auszuweiten. Dafür sucht das Unternehmen weitere Pilotkunden aus regionalen Gewerbebetrieben.
Im Rahmen des bereits bewilligten Förderprogramms „Mittelstand trifft Start-ups“ können entsprechende Projekte mit bis zu 50 Prozent gefördert werden. Weitere Unterstützung erhält EDENenergy durch das Leistungszentrum Nachhaltigkeit sowie das baden-württembergische Förderprogramm „BW Pre-Seed“. In dessen Rahmen engagiert sich der JobRad-Gründer Ulrich Prediger als erster Investor
Das Unternehmen beschäftigt neben den drei Gründern inzwischen drei Teilzeitkräfte. Mit dem modularen Speicherkonzept will EDENenergy die Weiterverwendung gebrauchter Batterien aus der Mikromobilität wirtschaftlich ermöglichen und deren Einsatzzeit vor dem abschließenden Recycling verlängern.
Bild ganz oben: Der Industriespeicher von EDENenergy ist aus 112 gebrauchten E-Scooter-Akkus zusammengesetzt. Foto: EDENenergy
