Eine Untersuchung der Fachhochschule Münster zeigt, dass die Art der Materialaufgabe einen wesentlichen Einfluss auf die Brandentstehung in Sortieranlagen für Leichtverpackungen haben kann. Die Auswertung von Betriebsdaten aus elf Anlagen deutet darauf hin, dass Sacköffner im Vergleich zur Vorzerkleinerung deutlich weniger kritische Wärmeereignisse verursachen.

Materialaufgabe rückt stärker in den Fokus des Brandschutzes

Lithium-Ionen-Akkus und Batterien zählen zu den größten Brandrisiken in der Recyclingwirtschaft. Gelangen sie als Fehlwürfe in den Abfallstrom und werden während der Aufbereitung mechanisch beschädigt, kann es zu einer gefährlichen Wärmeentwicklung bis hin zum Brand kommen.

Eine Bachelorarbeit an der Fachhochschule Münster hat nun untersucht, welchen Einfluss unterschiedliche Verfahren der Materialaufgabe auf dieses Risiko haben. Die Arbeit entstand in Zusammenarbeit mit der BRT HARTNER GmbH und vergleicht den Einsatz von Sacköffnern mit einer Vorzerkleinerung zu Beginn des Sortierprozesses.

Analyse von elf DSD-Sortieranlagen

Grundlage der Untersuchung waren Betriebsdaten aus insgesamt elf Sortieranlagen für Leichtverpackungen des Dualen Systems Deutschland (DSD). Vier Anlagen arbeiteten mit Sacköffnern, sieben mit einer Vorzerkleinerung. Eine dieser sieben Anlagen wurde aufgrund einer abweichenden Zusammensetzung des Eingangsmaterials nicht in den Vergleich einbezogen.

Die Auswertung zeigt deutliche Unterschiede bei den registrierten Wärmeereignissen. In den vier Anlagen mit Sacköffnern wurden im Dreischichtbetrieb monatlich maximal drei bis vier Wärmedetektionen erfasst. In den sechs vergleichbaren Anlagen mit Vorzerkleinerung lag der Durchschnitt dagegen bei rund drei Detektionen pro Tag.

Frühe Prozessstufe entscheidend

Nach den Ergebnissen der Untersuchung werden Lithium-Ionen-Akkus und Batterien bei der Sacköffnung seltener beschädigt. Dadurch sinkt die Wahrscheinlichkeit einer kritischen Wärmeentwicklung bereits im ersten Prozessschritt. (Foto: Eggersmann/BRT Hartner)

Die Ergebnisse verdeutlichen die Bedeutung der Materialaufgabe für den vorbeugenden Brandschutz. Systeme zur Erkennung und Ausschleusung von Batterien – beispielsweise Röntgen- oder optische Sortiersysteme – befinden sich in vielen Anlagen erst nach der Materialaufgabe. Werden Batterien bereits vorher beschädigt, kann ein Brand entstehen, bevor sie erkannt und ausgeschleust werden.

Die Untersuchung legt daher nahe, dass eine möglichst materialschonende Aufgabe einen wichtigen Beitrag zur Reduzierung des Brandrisikos leisten kann.

Bachelorarbeit liefert praxisnahe Erkenntnisse

Die Untersuchung entstand im Rahmen der Bachelorarbeit „Vergleich von Aufgabeeinheiten in Sortieranlagen von Leichtverpackungen“ von Finn-Luca Röll. Betreut wurde die Arbeit von Prof. Dr.-Ing. Sören Weinrich an der Fachhochschule Münster. Die Datenerhebung erfolgte während eines Praktikums bei BRT HARTNER.

Neben den Erkenntnissen zum Brandschutz wurden im Rahmen der Arbeit auch Daten zur Durchsatzleistung sowie zur Öffnungsquote der untersuchten Sacköffner erhoben.

Brände belasten die Recyclingwirtschaft zunehmend

Die Zahl der Brände in Recycling- und Entsorgungsanlagen hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Nach Angaben des Statusberichts der deutschen Kreislaufwirtschaft 2026 von bvse und BDE kommt es bundesweit durchschnittlich zu rund 30 Bränden pro Tag. Als wesentliche Ursache gelten Fehlwürfe von Lithium-Ionen-Akkus und Batterien, deren Anzahl mit der zunehmenden Verbreitung batteriebetriebener Geräte steigt.

Neben den Risiken für Beschäftigte verursachen Brände erhebliche wirtschaftliche Schäden. Anlagenstillstände, zerstörte Materialchargen, Lieferverzögerungen sowie steigende Versicherungskosten stellen viele Unternehmen der Recyclingbranche vor wachsende Herausforderungen.

Die Ergebnisse der FH Münster zeigen, dass bereits die Gestaltung der Materialaufgabe einen messbaren Beitrag zur Verringerung des Brandrisikos leisten kann und damit einen weiteren Ansatz für die Verbesserung der Betriebssicherheit in Sortieranlagen bietet.

Titelfoto: BRT Hartner / Eggersmann

Von AG

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